Samstag, 29. August 2026

Der Peak der Zivilisation

 

Liebe Leser,

einige von euch waren ja gestern Abend in meinem Livestream, erstmal vielen Dank dafür. Diese Diskussion bzw. mein Vortrag und die Anschließende Diskussion geben Hoffnung das viele von uns mit ihren Ideen und Empfinden nicht allein sind. Ich habe noch lange darüber nachgedacht warum so viele diese Gedanken teilen und im Hoch waren wir 75 Leute im Stream, gesamt waren 340 Leute dabei. Aber warum empfinden wir so ?

Ich denke gern an die Welt vor dem Einschlag – Als sich die Welt vor dem 11. September 2001 auf dem Peak der Zivilisation befand. Es gibt Daten welche tatsächlich die Geschichte ordnen. Und es gibt Daten, die Geschichte teilen. Der 11. September 2001 gehört zur zweiten Kategorie. Natürlich war die Welt vor diesem Tag nicht friedlich. Es gab die Jugoslawienkriege, den Völkermord in Ruanda, Terroranschläge, Armut, Rassismus, politische Krisen und unzählige persönliche Tragödien. Wer behauptet, bis 2001 sei die Welt ein Paradies gewesen, betreibt Nostalgie und keine vorurteilsfreie Geschichtsschreibung. Dennoch zeichnet dieses Datum, inklusive seiner Vorgeschichte einen Wendepunkt in unserer Weltgeschichte ab! Die letzten Jahre vor dem 11. September 2001, grob die Zeit zwischen Mitte der Neunziger und dem Sommer 2001, waren zumindest aus westlicher Perspektive ein außergewöhnlicher Moment der kulturellen, technologischen und gesellschaftlichen Balance. Vielleicht sogar unser „Peak Civilization“. Nicht, weil damals alles besser war. Sondern weil für einen kurzen Augenblick erstaunlich viele Dinge gleichzeitig richtig dosiert waren. Die Zukunft im Sommer 2001 war noch etwas, auf das man sich freute... hatten wir doch auch gerade das Millennium hinter uns gelassen :-)  Die vielleicht größte Veränderung zwischen damals und heute lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken: Es ist das Lebensgefühl welches diese Zeit bestimmte. Ende der Neunziger roch die Zukunft doch nach puren und ehrlichen Möglichkeiten. Ich meine der Kalte Krieg war vorbei. Die beschissene Berliner Mauer war Geschichte. Europa wuchs zusammen. Wir jungen Leute reisten mit Interrail durch einen Kontinent, dessen Grenzen zunehmend verschwanden. Der Euro stand vor der Einführung und trotz all seiner Schwächen und der berechtigten Kritik, es war aufregend. Ich meine wie viele Generationen erleben schon eine Währungsreform. Das Internet verbreitete sich. Und Soziale Netzwerke waren noch nicht Teil der Kinderzimmer. Wir klingelten um Kontakt zu halten. Computer wurden schneller. Mobiltelefone kleiner. Spiele dreidimensional. Die PS1 hauchte den letzten Atem seiner "New Ära" aus, während die PS2 mit integriertem DVD Player unsere Zimmer revolutionierte. Lara Croft wurde die Heldin unserer Abende und wer verzweifelte nicht an so mancher Höhlenmission. Musik wurde digital, CDs wurden gekauft... digitalisiert und in für uns damals, "gigantischen" Mp3 Hosentaschenbibliotheken herumgeschleppt. Musik wurde getauscht und kopiert und zerstörte damit auch für lange Zeit die Musikindustrie. Machte uns aber auch freier und öffnete die Welt. Man hatte durchaus Angst vor der Zukunft, Stichwort: "Jahr-2000-Problem", aber selbst diese Angst hatte etwas beinahe Charmantes. Um Mitternacht sollte vielleicht der Computer abstürzen. Heute diskutieren wir über künstliche Intelligenz, Cyberkrieg, Desinformation, Pandemien, Klimakrisen und geopolitische Eskalation. Damals stellte man sich das Jahr 2020 mit fliegenden Autos vor. Wie albern wenn man zurückblickt. Heute fragen sich viele eher, welche Krise 2027 als Nächstes bringt. Das ist ein gewaltiger kultureller Unterschied. Die Technologie hatte ihren vielleicht menschlichsten Moment erreicht, beeindruckend, bunt und sie diente zur Unterhaltung und Konsum war aufregend herzlich! 1999 war Technik bereits beeindruckend, aber sie hatte uns noch nicht vollständig verschluckt. Man konnte einen Computer besitzen, im Internet surfen, E-Mails schreiben, ICQ benutzen und trotzdem offline sein. Und „offline“ war kein Zustand, den man bewusst herstellen musste. Man war einfach weg. Wer das Haus verließ, war nicht permanent erreichbar. Niemand erwartete innerhalb von drei Minuten eine Antwort. Niemand konnte sehen, wann man zuletzt online gewesen war. Niemand wusste, wo man sich befand, sofern man es ihm nicht erzählte. Einfach schön. Das Handy war Werkzeug und Spielzeug zugleich. Nokia brachte Geräte heraus, die telefonieren, SMS verschicken und Snake spielen konnten. Mehr musste ein Telefon nicht können. Warum auch ? Das Internet wiederum war noch ein Ort, den man besuchte. Den man bewusst entdeckte, ein Abenteuer. Man setzte sich an den Rechner. Das Modem machte Geräusche, als würde R2-D2 beim Zahnarzt sterben, und anschließend war man im Netz. Ein Traum durch 56k!

Das Entscheidende aber daran: Das Internet war noch nicht die Welt.

Heute sind Internet und Realität kaum noch voneinander zu trennen. Beziehungen, Politik, Nachrichten, Arbeit, Partnersuche, Unterhaltung, Einkaufen und soziale Anerkennung laufen über dieselben Geräte. Damals konnte man den Rechner ausschalten. Und dann war Ruhe. Vielleicht lag genau dort ein technologischer Sweet Spot: genug Technik, um das Leben spannender und komfortabler zu machen, aber noch nicht genug, um jeden freien Augenblick zu besetzen. Popkultur war tatsächlich Kultur. Auch popkulturell wirken die späten Neunziger und das Jahr 2000 heute beinahe absurd dicht. Kino war gesellschaftliches Ereignis und ich geb zu ist es für mich auch heute noch! „Titanic“, „Matrix“, „Fight Club“, „American Beauty“, „The Sixth Sense“, „Saving Private Ryan“, „Gladiator“, „American Pie“, „The Blair Witch Project“ – völlig unterschiedliche Filme wurden zu kulturellen Referenzpunkten. Wer hätte gedacht das man sich mal die Blaue und Rote Pille wünschen würde ... 1999 allein liest sich rückblickend wie ein Cheatcode der Filmgeschichte. Im Fernsehen liefen Serien, über die am nächsten Morgen tatsächlich Millionen Menschen gleichzeitig redeten. „Friends“, „The X-Files“, „South Park“, „Buffy“, „Die Simpsons“ und später „Die Sopranos“ existierten nicht als winzige Ausschnitte eines unendlichen Streamingangebots. Popkultur war stärker gemeinschaftlich. WIR erlebten es zusammen!

Wenn am Sonntagabend ein bestimmter Film im Fernsehen lief, sahen ihn Millionen gleichzeitig. Heute besitzt jeder theoretisch Zugriff auf nahezu die gesamte Kulturgeschichte und trotzdem erleben wir immer weniger davon gemeinsam. Ist das nicht traurig ?

Das ist das Paradox unserer Gegenwart: Wir haben mehr Auswahl als jemals zuvor und weniger gemeinsame kulturelle Bezugspunkte. Und dann die Musik! Vielleicht merkt man den Unterschied nirgendwo deutlicher. Die späten Neunziger waren musikalisch keineswegs einheitlich. Genau das machte sie interessant. Metallica stand neben Britney Spears. The Offspring neben den Backstreet Boys. Eminem neben Rammstein. Blink-182 neben Madonna. Limp Bizkit, Korn und Slipknot machten schwere Gitarrenmusik plötzlich massentauglich. Gleichzeitig liefen Eurodance, Techno, Hip-Hop, Punkrock, Alternative, Boybands und Pop nebeneinander. MTV bedeutete noch „Music Television“. VIVA ebenfalls. Ein Musikvideo konnte ein Ereignis sein. Heute nur noch Youtube Massenware und Morgen schon vergessen. Man wartete darauf, dass ein bestimmter Song im Radio lief, um ihn auf Kassette aufzunehmen und hoffte verzweifelt, dass der Moderator nicht wieder in die letzten fünf Sekunden hineinlaberte. Man ging in Plattenläden. Man kaufte CDs. Man las Booklets. Man kannte Produzenten, Studios und Danksagungen, weil man die verdammte Hülle hundertmal in der Hand gehabt hatte. Musik hatte dadurch eine physische Dimension. Unsere Platten gehörten einem nicht deshalb, weil irgendeine App einen Lizenzvertrag mit einem Rechteinhaber besaß.

Sie lag im Regal. Bei mir bis heute! Sie hatte Kratzer. Sie hatte Erinnerungen. Die letzte analoge Generation lebte bereits digital Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum die Zeit um 2000 so viel ehrlicher und besser waren. Analog und digital existierten gleichzeitig. VHS und DVD. Kassette und MP3. Festnetz und Handy. Brief und E-Mail. Fotoalbum und Digitalkamera. Plattenladen und Napster. PlayStation und Fußballplatz. Internet und echtes Verschwinden. Man konnte die Vorteile der digitalen Revolution erleben, ohne bereits vollständig von ihren Nebenwirkungen abhängig zu sein.

Das macht diese wenigen Jahre technologisch einzigartig.

1990 war die digitale Welt noch zu klein. 2010 war sie bereits allgegenwärtig. Aber um 2000 standen wir genau auf der Brücke zwischen beiden Welten. Wir hatten Langeweile und das war auch mal großartig Ein unterschätzter Luxus dieser Zeit war Langeweile. Wenn man auf den Bus wartete, wartete man auf den Bus. Man betrachtete Menschen. Las die Werbung an der Haltestelle. Trat gegen einen Stein. Dachte nach. Oder langweilte sich einfach zehn Minuten lang. Heute existiert praktisch keine unfreiwillige Leerstelle mehr. Dreißig Sekunden an der Supermarktkasse? Handy raus. Zwei Minuten im Fahrstuhl? Handy raus. Werbung im Fernsehen? Handy raus. Das Smartphone hat Langeweile nahezu abgeschafft. Aber Langeweile war niemals nur nutzlose Zeit. Sie war der Raum, in dem Gedanken entstanden. Man musste sich selbst beschäftigen. Man rief jemanden an. Man ging raus. Man spielte Musik. Man zeichnete. Man baute irgendeinen Unsinn. Wir haben heute praktisch unbegrenzte Unterhaltung in der Hosentasche. Wie ätzend ist das bitte ! Und ausgerechnet deshalb scheint es manchmal schwieriger geworden zu sein, sich wirklich unterhalten zu fühlen. Die Welt war größer

Wer 1998 wissen wollte, wie eine Kneipe in Oslo aussieht, musste hinfahren. Wer wissen wollte, wie Tokio nachts aussieht, kannte vielleicht ein paar Bilder aus Filmen und Zeitschriften. Heute kann man innerhalb von Sekunden virtuell durch fast jede Straße der Erde laufen. Das ist gruselig. denn jede gewonnene Information beseitigt gleichzeitig ein kleines Stück Geheimnis. Die Welt vor Google Maps, Street View, Instagram und TikTok besaß weiße Flecken im persönlichen Atlas. Reisen bedeutete deshalb stärker Entdeckung. Menschen konnten ebenfalls geheimnisvoller sein. Wenn man jemanden auf einer Party kennenlernte, konnte man nicht auf der Toilette innerhalb von drei Minuten dessen halbe Biografie recherchieren. Man musste reden.

Dann kam der 11. September! Und hier endet diese seltsame Zwischenzeit. Die Anschläge vom 11. September 2001 waren selbstverständlich nicht die einzige Ursache aller folgenden Entwicklungen. Geschichte funktioniert nicht so einfach. Aber sie wurden zum symbolischen Ende einer Epoche.

Plötzlich dominierte eine andere Sprache die Nachrichten: Terrorismus. Al-Qaida. Afghanistan. Irak. Homeland Security. Überwachung. Sicherheitskontrollen. Krieg gegen den Terror. Biometrische Pässe. Terrorwarnstufen. Der Optimismus der Neunziger bekam einen gewaltigen Riss. Und starb! Flughäfen wurden zu Sicherheitszonen. Staaten bauten Überwachungsmöglichkeiten aus. Außenpolitik wurde wieder stärker von Krieg, Terror und Sicherheitsfragen bestimmt. Die Zukunft hatte plötzlich ihre Unschuld verloren. Und weitere Einschnitte folgten. Finanzkrise, Eurokrise, Arabischer Frühling und seine Folgen. Flüchtlingskrise. Brexit. Corona. Ukrainekrieg. Inflation. Neue geopolitische Blockbildung.

Währenddessen verwandelte sich das Internet von einem anarchischen digitalen Abenteuerspielplatz in eine gigantische Infrastruktur aus Plattformen, Algorithmen, Werbung und Datensammlung. Aus der persönlichen Homepage wurde der Social-Media-Account. Aus dem Forum wurde der Feed. Aus „Ich suche etwas im Internet“ wurde „Der Algorithmus entscheidet, was ich als Nächstes sehe“. Der Preis der permanenten Vernetzung. Ich sag euch, das Internet von 2000 war langsam und chaotisch. Es war schwer zu durchforsten und auch teuer. Aber es hatte einen Vorteil: Es war dezentraler. Heute konzentriert sich ein gewaltiger Teil unserer digitalen Aufmerksamkeit auf wenige Plattformen. (Auch ein Grund warum ihr meine Inhalte nur noch exklusiv hier findet!) Und deren Geschäftsmodell benötigt Aufmerksamkeit. Empörung erzeugt Aufmerksamkeit. Diese Angst erzeugt Aufmerksamkeit. Euer Konflikt erzeugt Aufmerksamkeit. Damit entstand eine Maschine, die permanent den Eindruck vermitteln kann, die gesamte Welt stehe unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Man kann sich in seiner durch Algorithmen gebildeten Blase total verrennen ! Früher erfuhr man morgens aus Zeitung oder Radio, dass irgendwo etwas Schreckliches passiert war. Heute kann man das Ereignis innerhalb weniger Minuten aus zwanzig Perspektiven sehen, anschließend 400 Kommentare darüber lesen, sich mit einem Fremden darüber streiten und zwei Stunden später vom Algorithmus den nächsten Skandal präsentiert bekommen. Auch das macht etwas mit uns. Die Welt ist dadurch nicht zwangsläufig überall gefährlicher geworden. Aber sie ist psychologisch näher gekommen. Es belastet uns denn, jede Katastrophe der Erde passt heute in unsere Hosentasche.

Zurück zum Peak der Zivilisation!

Für mich ist die Formulierung nicht übertrieben. Medizinisch, wissenschaftlich und technologisch wäre es zwar Unsinn zu behaupten, die Menschheit habe 2001 ihren objektiven Höhepunkt erreicht. Heute können wir Dinge, die damals Science-Fiction gewesen wären. Ein Smartphone ersetzt Telefon, Kamera, Videokamera, Navigationsgerät, Walkman, Lexikon, Zeitung, Fernseher, Taschenrechner, Stadtplan und halbes Büro. Wir können innerhalb von Sekunden mit Menschen auf anderen Kontinenten sprechen. Medizinische Behandlungen haben sich verbessert. Wissen ist in einem Umfang verfügbar, von dem frühere Generationen nur träumen konnten. Aber vielleicht besteht Fortschritt nicht ausschließlich darin, was technisch möglich ist. Ich finde wir sollten uns heute auch fragen: 

Wie viel davon tut uns gut? Und unter diesem Gesichtspunkt lässt sich meine These, meine persönliche Sicht und Einordnung vom „Peak Civilization“ zumindest verstehen. Die Welt um 1999 oder 2000 hatte bereits viele Annehmlichkeiten der Moderne. Aber sie hatte noch analoge Rückzugsräume. Wir hatten "dieses Internet" aber kein Internet rund um die Uhr. Social Media und die das Internet hatten jedoch nicht uns! Wir hatten Handys aber keine permanente Erreichbarkeit. Wir entdeckten digitale Musik gingen aber noch leidenschaftlich in Plattenläden und das mache ich bis heute. Wir hatten Computerspiele aber noch keinen permanenten Online-Zwang. Physische Medien zum anfassen statt Downloads die uns vom Betreiber abhängig machten! Und  ich hasse es das heute alles nur noch mit Internetzugang gestartet und gespielt werden kann! Warum Sony ? WHY ?

Wir hatten internationale Nachrichten aber keinen endlosen Doomscrolling-Feed durch dämlich Videos und Bilder die unseren Geist abstumpfen lassen. Wir hatten natürlich auch Globalisierung aber noch das Gefühl, dass die Welt groß war. Und wir noch viel entdecken konnten! Wir hatten kunterbunte Technik aber die  nun farblose Technik hatte noch nicht unsere gesamte Aufmerksamkeit kolonisiert.

Vielleicht vermissen wir deshalb nicht die Neunziger. Wir vermissen das Verhältnis zur Welt. Natürlich spielt Nostalgie eine Rolle. Klar. Wer damals jung war, erinnert sich an Freunde, erste Partys, erste Konzerte, Sommerferien, Videotheken, Freibäder, verrauchte Jugendzentren, Bravo, MTV, Game Boy, PlayStation, VHS-Kassetten und das Geräusch eines Modems. Das eigene Leben war einfacher, weil es echt war. Weil die Menschen noch echt waren. Diesen Faktor darf man nicht unterschlagen. Aber Nostalgie erklärt nicht alles. Es gab tatsächlich strukturelle Unterschiede. Privatsphäre war normaler. Unerreichbarkeit war akzeptiert. Popkultur war gemeinschaftlicher und kreativer. Technologie verlangte weniger permanente Aufmerksamkeit. Das Internet war weniger zentralisiert aber machte uns freier. Und die westliche Gesellschaft lebte nach dem Ende des Kalten Krieges für einige Jahre in einer ungewöhnlich optimistischen historischen Zwischenphase mit Metal, Punk und EUrodance. Vielleicht war das die eigentliche Besonderheit. Wir standen zwischen zwei Zeitaltern. Hinter uns lag die analoge  wunderschöne Welt des 20. Jahrhunderts. Vor uns lag die kalte vollständig vernetzte Welt des 21. Jahrhunderts. Und für ein paar Jahre hatten wir das Beste aus beiden.

Der letzte Sommer der alten Welt Deshalb wirkt der Sommer 2001 rückblickend so merkwürdig. Mir fehlt diese Welt oft, euch auch ? Mir fehlen MTV, ICQ, LAN-Partys, Freibäder ohne Gewalt und Angst, Internet-Cafés und Videotheken.

Man verabredete sich um acht Uhr irgendwo und wer um acht Uhr nicht dort war, war eben nicht dort. Keine dauernden Live-Standorte. Keine nervenden Push-Nachrichten. Kein ungewollter Feed. Keine Story die uns mehr ausschließt und langsam aus den Leben der anderen entfernt. Kein permanentes Publikum das neuen "Content" braucht um zu wissen das es dich gibt. Das Leben musste nicht dokumentiert werden, um stattgefunden zu haben.

Dann kam der Morgen des 11. September 2001.

Zwei Flugzeuge flogen in das World Trade Center. Ich war damals wie erstarrt vor dem TV. Ein weiteres traf das Pentagon. Ein viertes stürzte in Pennsylvania ab. Fast 3.000 Menschen wurden getötet. Die Türme welche in meinem Leben immer in der Skyline von NEW York über den Bildschirm flimmerten verschwanden. Und mit ihnen verschwand nicht buchstäblich die ruhige, bunte und fröhliche Welt der Neunziger. Der 10. September 2001 war vielleicht der letzte Tag einer Epoche, in der der Westen glaubte, seine größten Konflikte lägen hinter ihm und seine aufregendsten Möglichkeiten noch vor ihm. Danach begann das 21. Jahrhundert wirklich. Vielleicht waren die Jahre davor deshalb objektiv die beste Zeit der Menschheitsgeschichte. Der kurze Augenblick, in dem Technologie bereits Freiheit bedeutete, ohne permanente Abhängigkeit zu bedeuten; Globalisierung Abenteuer versprach, ohne jede Entfernung aufzulösen; Popkultur riesig war, ohne vollständig algorithmisiert zu sein; und Zukunft für viele Menschen eher nach Verheißung als nach der nächsten Krise klang.

Vielleicht war das nicht für alle der Peak der Zivilisation.

Vielleicht war es nur der perfekte Zwischenstand.

Aber verdammt für mich fühlte es sich tatsächlich so an!


Anmeldungen für den nächsten Livestream per Mail!

Freitag, 28. August 2026

Thüringen in 1001 Nacht!

 


Liebe Leser,

knapp 36 Jahre nach dem Mauerfall halten diese "Mainstreamexperten" die Menschen in unserem gesamten Deutschland doch für völlig bescheuert! Oder? Da sitzt die mutmaßlich unbeliebteste BSW Politikerin Katja Wolf  beim Gebührenverbrenner Lanz und erzählt uns einiges aus Thüringens 1001 Nacht! Man erklärt eine komplette Sendung lang durch die Blume und auch ganz offen dass die Menschen im ehemaligen Osten keine Ahnung hätten was sie wählen würden. Wieviel Angst diese "Expertenrunde" vor BSW und auch AfD hat ist so unendlich peinlich wie dieses Jammern über "Sahra hat so lange mit mir nicht gesprochen" als wenn eine Landeschefin nicht Sahras Nummer hätte, come on hahahahaha 

Zur Thematik sollte man wissen, eine Sendung Markus Lanz kostet laut Recherche ca: 100.000€ inklusive des Moderatoren Gehaltes. das sind knapp 5447 GEZ Monatsbeiträge, falls ihr wissen wollt wohin eure unter Druck erzwungenen Gebühren fließen. Um dann von Karrieristen und unglaublich "versierten" Regierungsjournalisten zu erfahren wie unglaublich "antisemitisch" ein Plakat des BSW Sachsen-Anhalt sei auf dem man zurecht Fragt wie viel Geld wir noch in der Ukraine versenken wollen. Weil ... "Selenskyj auf dem Plakat einen Bart trägt" ... weil ... " die abgebildeten Personen die Hände aufhalten" und weil das Wort ... "Abzocke" auf dem Plakat steht. Kein Witz, wirklich hat er so gesagt ... man müsse es in der Summe sehen... na schönen Dank liebe Sprachpolizei, hat jemand ein Tempo für den Knaben. Nicht zum aushalten. Zur Erinnerung: 5447 GEZ Beiträge! Die ganze Posse geht ernsthaft 75 Minuten .... 75 Minuten!

Und was nicht noch alles geblubbert wurde. Ich muss sagen ich war selbst in der ehemaligen SED kein Fan von Katja Wolf und mir tat Eisenach immer etwas leid, aber jetzt find ich sie fast schon gut. Sie zeigt mir warum die Zuständigen eigentlich genauer bei der Aufnahme hätten hinsehen müssen. Ein wirkliches Paradebeispiel. Mag man jetzt gemein finden, ist mir aber ziemlich wurscht. Thüringen war und ist ein Fehler und was die Teile von Fraktion und Teile der Landesspitze dort treiben ist falsch! Und das wissen die auch. In Thüringen selbst gibt es viele, viele großartige Mitglieder die auf einem Sonderparteitag hoffentlich das Wohl der Partei über die Karrieregeilheit einiger Sonderlinge stellen und diesen Irrsinn und diese Steigbügelpartie beenden!


Ich bin so unendlich froh das Sachsen-Anhalt hier Kurs hält und das wir mit Sahra Wagenknecht gemeinsam an unseren Zielen, einer friedlichen Politik mit Vernunft und Gerechtigkeit arbeiten!

 

Mittwoch, 26. August 2026

Wer ist dieser OSTEN eigentlich ?

 

Im Luftfahrtmuseum Wernigerode

Liebe Leser,

wundert ihr euch manchmal auch darüber wie so Vertreter der Mainstreammedien versuchen unser Land zu spalten?  Ich bin wie ihr ja wisst 1983 geboren. Ich kenne die ungerechte Teilung unseres Vaterlandes, unserer Heimat nicht nur aus Büchern oder TikTok. Wir hatte Verwandte in der DDR. Und selbst meine geliebte Großmutter lebte nachdem sie aus ihrer Heimat von Sowjets vertrieben wurde "drüben" ... ging aber dann der Liebe wegen ins Bergische Land, bevor der hinterhältige Mauerbau begann.    

Als Kind besuchten wir also Tanten und Onkel meiner Oma in Jena und Bernburg an der Saale. Übrigens wunderschöne Orte. Ich erinnere mich noch an einfache Volksfeste, Waldmeisterbrause und an die Platte in der mein Onkel lebte. Ich erinnere mich noch an den Geruch von der Kohle mit der eine kleine Eisenbahn betrieben wurde. Ich höre das klingeln der Straßenbahn und das "Ploppen" von Einmachgläsern mit Kirschen und Birnen meiner Großtante. Ich sehe noch dieses Leuchten in den Augen wenn meine Mutter "ihre Kleider" zufällig beim Besuch in den Schrank der Tante räumte. Und das Knistern von Verpackung des Spielzeugs aus "dem Westen". 

Ich erinnere mich aber auch noch an den Tag als mein Vater bei der Grenzkontrolle einen Witz machte und ich im "Grenzerhäuschen" malen durfte, während ich meine Eltern in bitterer Kälte, im Schneetreiben beobachtete, wie sie die Grenzer gewähren lassen mussten als diese unserer Auto zerpflügten. Ich weiß noch wie mein Vater eine Bildzeitung "rüber" geschmuggelt hatte und mein Onkel sie nach dem hastigen lesen schnell in den Ofen steckte. Ich sehe noch die Kinder auf dem Spielplatz vor mir wie ich ihnen die Abenteuer meiner Comichelden erzähle. Heute alles surreal. Oder ? Für viele aber immer tief in ihrer Seele eingebrannt. Verwandte hatten erlebt wie Kritik am Staat zu Befragung und Inhaftierung führte. Wie nach der Öffnung der Grenze Tante und Onkel das erste mal zu Besuch waren. 

Alles lange her sagt man, Geschichte sagen sie ... Die welche es erlebt haben, haben mit viel Glück damit abgeschlossen. Nachbarn die sich bespitzelt haben, konnte sich vielleicht vergeben. Aber ich habe durch viele, viele Gespräche gelernt... vergessen, kann man das Erlebte nicht! Und wenn man dann sieht was gerade aktuell alles in diesem Staat so vor sich geht. Was uns aufgelastet, aufgezwungen und eingetrichtert werden soll... come on! Natürlich, ohne wenn und aber schallern da, zurecht die Alarmglocken. Natürlich kann man keine Vergleiche ziehen. Ich finde es schickt sich auch nicht Vergleiche zu ziehen. Trotz des Ausbaus staatlicher Einflussnahme auf Medien und Soziale Netzwerke, Manipulation von Kindern in Schulen und der staatlich finanzierter NGO Strukturen und massivster Kontrolle der eigenen Bevölkerung haben wir keine Stasi. Und weil Parteien sich kritisch zur Migrationfrage äußern haben wir auch kein 1933 vor der Tür. Diesen "Bullshit" können sich die Barden abends an den Feuern erzählen, politisch und gesellschaftlich Versierte sollten aber bei den Fakten bleiben.

Ich war nun wieder eine Weile in Sachsen-Anhalt unterwegs. Konnte mit "Jung und Alt" sprechen. Mit Zugezogenen und Alteingesessenen. Mit Leuten die noch Stasischikanen und Mauer, auch am eigenen Leib erlebt haben. Wir sprachen über die AfD, die CDU und natürlich weil es auch meine Herzenssache ist das BSW. Und eines muss ich wieder festhalten, die Probleme in "Ost und West", in "Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt" sind nicht wirklich weit auseinander. Mit einer kleinen, aber feinen Ausnahme die vielleicht den entscheidenden Unterschied macht. Im Osten, in Sachsen-Anhalt ist das Gefühl, das Gespür für RICHTIG oder FALSCH noch viel sensibler als bei uns. Hier wählte der Opa CDU, der Papa CDU und der Sohn dann eben auch. Der Enkel wurde breit Instrumentalisiert und verirrt sich zwischen Grünen und der ehemaligen Mauerpartei SED, heute DIE LINKE. Is halt bekloppt, aber passiert. 

Aber ihr feines Gespür für die Verarsche die aus den Landesregierungen tropft und aus Berlin und Brüssel koordiniert wird, die fühlen "diese Ossies" sehr , sehr deutlich. Das feine Gefühl dass hier etwas grundlegen aus dem Lot geraten ist. Dass etwas in Schieflage ist und das es einer Korrektur bedarf. Dringend, so wie im ganzen Land. Das die AfD dieses Gefühl aufgreift und aktuell davon profitiert verdanken die alten Parteien ihrem eigenen Versagen auf ganzer Linie. Und ich erkenne neidlos an dass die auch einen sehr gute Wahlkampf machen. Aber da stecken auch starke Sponsoren hinter, sollte man nie vergessen! Und die haben Erwartungen an eine Partei. Ob diese dann arbeitnehmerfreundlich ausfallen... ich wage es zu bezweifeln...

Aber wir haben ja ein eigenes Angebot. ein RICHTIG GUTES ! Mit Dr. Claudia Wittig und ihrem Team stehen wir in Sachsen-Anhalt vor den Toren des Landtages und ich kann nur empfehlen, uns IHR Vertrauen zu geben. Das Team in Sachsen-Anhalt ist nicht die "Karrieretruppe aus Thüringen"! Eben keine Steigbügelhalter für Altparteien. Das Team aus Sachsen-Anhalt steht für einen Kurswechsel, für Sachpolitik und für eine freies Sachsen-Anhalt! Für ein Sachsen-Anhalt ohne eine Nachfolgepartei die auf eigene Leute schießen ließ! Ohne Zwangsgebührenindoktrinierte Medien und für ein Sozial gerechtes und von Vernunft regiertes Land. Alle unsere Ideen findet ihr auf : https://st.bsw-vg.de/ 

Und da ich gesehen hab dass 12% meiner Leser aktuell aus Sachsen-Anhalt kommen, hier also mein Aufruf an euch! Gebt Vernunft und Gerechtigkeit eure Stimme!


Dienstag, 25. August 2026

Die Stadtklinik gehört zu Frankenthal

 

Liebe Leser, 
heute hatte wir eine Sondersitzung des Stadtrat von Frankenthal. Es ging um die drohende Krankenhausreform dieser übergriffigen Regierung, die leider irgendein Problem mit kommunaler Selbstverwaltung zu haben scheint! Deshalb verabschiedete der Rat eine gemeinsame Resolution mit dem Titel:

"Für eine starke Stadtklinik und eine verlässliche wohnortnahe medizinische Versorgung"

Dass sowas überhaupt notwendig ist halte ich für eine Schande. Ein Krankenhaus ist kein Zahlenwerk, es ist ein Versprechen an die Menschen!

Krankenhäuser sind keine Fabriken und wir, die Patienten sind keine Produktionszahlen. Eine Notaufnahme ist keine lästige Kostenstelle, deren rechnerischer Wert sich ausschließlich in einer moralisch toten Excel-Tabelle berechnen lässt. Und medizinische Versorgung darf nicht nach derselben Logik organisiert werden wie die Filialstruktur eines Handelskonzerns. Möchte man so manchen Black-Rock Greisen entgegenschreien. Genau deshalb muss die gegenwärtige Krankenhausreform kritisch hinterfragt und in ihrer jetzigen Ausrichtung strikt abgelehnt werden, denn sie führt dazu, dass wohnortnahe Strukturen ausgedünnt, kommunale Krankenhäuser zerschlagen und medizinische Leistungen zunehmend auf wenige größere Standorte konzentriert werden. Sie gefährdet die Notfallversorgung unserer Heimat! Gesundheitspolitik hat exakt eine Aufgabe, die wichtiger ist als jede betriebswirtschaftliche Kennzahl: Sie muss den Menschen dienen. Keinen Aktionären, keinem Boni und keinem Kapitalmarkt!

Für Frankenthal bedeutet diese Sicherheit ganz konkret: Wir bestehen auf unsere Stadtklinik!

Gesundheit lässt sich nicht ausschließlich in Fallzahlen messen. Natürlich müssen Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten. Natürlich müssen medizinische Qualität, Spezialisierung und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Einrichtungen weiterentwickelt werden. Niemand kann ernsthaft verlangen, dass Krankenhausstrukturen auf Jahrzehnte unverändert bleiben. Aber "Reform" darf nicht zum Tarnwort für dieses "Wegrationalisierungsprogramm" werden.

Wenn am Ende einer Reform immer mehr Menschen für immer mehr Behandlungen in andere Städte fahren müssen, dann ist das keine Verbesserung der Versorgung. Wenn theoretische Fahrzeiten auf dem Papier darüber entscheiden, ob ein Krankenhausstandort notwendig ist, stimmt etwas gewaltig nicht. Stellt euch vor ihr müsstet zum Arzt, 3-4 mal die Woche nach Ludwigshafen, da wo jetzt schon alles gesperrt ist und im Verkehrswahnsinn einer verfehlten Landesplanung im Stau steht. Das ist IRRE!

Wohnortnähe bedeutet doch klar mehr als eine billige Kilometerangabe auf Google Maps liebe Landesregierung. Es bedeutet, dass die Oma nach einem Sturz schnell versorgt wird. Sie bedeutet, dass Angehörige ihre Oma besuchen können, ohne dafür eine halbe Tagesreise organisieren zu müssen. Sie bedeutet, dass Menschen ohne eigenes Auto medizinische Hilfe tatsächlich erreichen können. Und sie bedeutet, dass im Notfall nicht erst darüber diskutiert werden muss, welcher entfernte Standort noch zuständig ist. Das bedeutet Wohnortnähe.

Gerade in einer alternden Gesellschaft und verdammt, ich weiß wovon ich rede,  wird diese Frage immer wichtiger. Ein Krankenhaus vor Ort ist deshalb nicht nur medizinische Infrastruktur. Es ist soziale Infrastruktur und ein Stück öffentliche Sicherheit. Es nimmt den Menschen Ängste!

Und VERDAMMT wir haben in Frankenthal investiert!

Eine Abstufung wäre grenzdebiler Schwachsinn, die Stadtklinik Frankenthal vor dem Hintergrund dessen, was wir als Stadt und Land in den vergangenen Jahren gemeinsam aufgebaut haben. Im März 2026 wurde unser Erweiterungsbau eröffnet. Sein Investitionsvolumen beträgt mehr als 51 Millionen Euro. Davon stammen mehr als 36 Millionen Euro aus der Landesförderung. Soll das für die Katz gewesen sein ?  Das sind öffentliche Investitionen in einen Standort, dessen Zukunft politisch gewollt war und ist. Ganz nebenbei liebe Freunde da Oben, es ist Steuergeld, unser Steuergeld was da investiert wurde. Davon habt ihr NICHTS, Garnichts erwirtschaftet und werdet es auch nicht. Also warum wollt ihr uns etwas wegnehmen was wir bezahlt haben / bezahlen werden ? Warum ?

Bereits davor wurden erhebliche Mittel in die Zukunft der Stadtklinik gesteckt. Investiert wurde unter anderem in die Zentrale Notaufnahme, den OP-Trakt, die Intensivstation und die Zentralapotheke.
Dazu noch kommen die vorgesehene Generalsanierung des Haupthauses und die geplante psychiatrische Tagesklinik in Limburgerhof. Wer solche Strukturen mit Millionenbeträgen aufbaut und modernisiert, kann anschließend nicht so tun, als handele es sich bei der Krankenhausplanung um ein vollkommen neues Blatt Papier. Politik muss hier ein verlässlicher  Partner sein. Öffentliche Investitionen müssen einem nachvollziehbaren langfristigen Konzept folgen. Keinem Bauchgefühl am Schreibtisch. Es ist den Menschen ernsthaft nicht zu vermitteln, zunächst mehr als 50 Millionen Euro allein in einen Erweiterungsbau zu investieren und kurze Zeit später über eine strukturelle Entwicklung zu diskutieren, die möglicherweise den Versorgungsauftrag des Standortes verändert.

Vor allem eure Vorgehensweise ... erstmal gute Nachrichten streuen, ja 95 Prozent sind eine gute Nachricht – aber keine Garantie für morgen! Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen wohl der Stadtklinik Leistungsgruppen zugewiesen werden, die rund 95 Prozent der dahinterstehenden Fälle abbilden. Das ist ja zunächst eine relativ und positive Nachricht. Gleichzeitig hat das Gesundheitsministerium angekündigt, am 1. September 2026 die perspektivische Entwicklung der Stadtklinik zu einer sogenannten Regioklinik zu empfehlen. WTF !!!
Was diese Einstufung langfristig konkret für den medizinischen Versorgungsauftrag Frankenthals bedeutet, ist in wesentlichen Punkten noch nicht abschließend geklärt. Aber jetzt schon Scheiße!

Genau deshalb ist jetzt nicht die Zeit für politische Beruhigungspillen.
Jetzt ist die Zeit, klare Bedingungen zu formulieren.
Eine neuer Titel auf irgendeinem Organigramm darf nicht dazu führen, dass Stück für Stück medizinische Leistungen gestrichen werden. Entscheidend ist nicht, was künftig auf dem Schild steht. Entscheidend ist, was hinter den Türen des Krankenhauses für die Menschen tatsächlich noch angeboten wird. Kommunale Krankenhäuser haben einen Wert, der sich nicht in Euro ausdrücken lässt

Die große Schwäche einer zunehmend ökonomisierten Gesundheitspolitik liegt doch darin, dass sie versucht, beinahe alles messbar zu machen. Fallzahlen. Auslastung. Kosten. Erlöse. Personalquoten. Fahrzeiten. Leistungsgruppen. Aber sie erzählen niemals die ganze Geschichte.

Wie viel ist es wert, wenn Eltern wissen, dass medizinische Hilfe in ihrer Stadt vorhanden ist?

Wie viel ist es wert, wenn ein älterer Mensch nicht in eine weit entfernte Klinik gebracht werden muss?

Wie viel ist es wert, wenn Angehörige einen Patienten unkompliziert besuchen können?

Und wie viel ist das Gefühl wert, im Notfall ein leistungsfähiges Krankenhaus in erreichbarer Nähe zu haben?

Dafür gibt es keine passende Spalte in einer Bilanz. Dieser Staat hat doch wirklich genug Vertrauen verspielt. Dieser Staat darf Daseinsvorsorge nicht erst dann für wertvoll halten, wenn sie Gewinn abwirft. Wir verlangen schließlich auch nicht von jeder Feuerwache, dass sie sich finanziell rentiert. Wir schließen nicht eine Feuerwehr, weil es im vergangenen Jahr erfreulicherweise zu wenige Brände gab. Ihre Existenz ist notwendig, weil wir sie brauchen könnten. Das selbe gilt im übertragenen Sinne für die kommunalen Häuser. Die im übrigen auch nicht gegeneinander ausgespielt werden wollen, oder sollten!

790 Beschäftigte und hinter jeder Zahl steht ein Mensch! Die Zukunft der Stadtklinik betrifft außerdem  unsere Mitarbeiter. Gerade sie dürfen nicht zu einer Randnotiz irgendeines albernen Strukturplans werden. Diese Menschen halten die Versorgung Tag für Tag am Laufen. Ärzte, Pflegekräfte und zahlreiche weitere Berufsgruppen sorgen dafür, dass aus Gebäuden, Operationssälen und medizinischen Geräten überhaupt erst ein Krankenhaus wird. Wer über die Zukunft unserer Stadtklinik entscheidet, entscheidet deshalb gleichzeitig über Arbeitsplätze, berufliche Perspektiven und über medizinisches Fachwissen, das über Jahre am Standort aufgebaut wurde. Und nur wir als Stadt sollten das tun!

Also Schluss mit eurem Kahlschlag!

Die Krankenhauslandschaft muss sich verändern dürfen. Medizinischer Fortschritt verlangt logischerweise Spezialisierung. Ambulante Behandlungen können unter Umständen stationäre Aufenthalte ersetzen, ja. Krankenhäuser können stärker zusammenarbeiten. Und selbstverständlich muss medizinische Qualität oberste Priorität besitzen. Aber daraus darf kein Automatismus entstehen, nach dem „größer“ grundsätzlich besser und „zentraler“ automatisch moderner bedeutet.
Eine Reform, die Versorgung lediglich konzentriert, Entfernungen vergrößert und kommunale Standorte schleichend ihrer Leistungen beraubt, löst keine Probleme.  Der Maßstab muss deshalb umgedreht werden.

"Nicht die Frage „Welche Leistungen können wir in Frankenthal noch rechtfertigen?“ darf am Anfang stehen. Die entscheidende Frage muss lauten: Welche medizinische Versorgung brauchen die Menschen in Frankenthal und der Region – und welche Strukturen müssen wir erhalten, damit diese Versorgung zuverlässig funktioniert?“ Erst danach dürfen wirtschaftliche und organisatorische Überlegungen folgen.

Die Stadtklinik gehört zu Frankenthal

Seit Generationen ist die Stadtklinik ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung Frankenthals und der umliegenden Region. Mein Sohn wurde hier geboren, viele unserer Kinder und viele von uns. Mein Leben und das vieler anderer wurde hier gerettet! Sie steht für kurze Wege. Für medizinische Kompetenz. Für Notfallversorgung. Für Arbeitsplätze. Für Investitionen in die Zukunft. Und vor allem für das Wissen: Wenn etwas passiert, ist Hilfe erreichbar. Deshalb tritt Frankenthal gegenüber dieser Landesregierung Rheinland-Pfalz, dem Ministerpräsidenten, dem zuständigen Gesundheitsministerium, den Fraktionen des Landtages und den zuständigen Landtagsabgeordneten geschlossen auf. Unsere Botschaft nach Berlin und Mainz:

UNSERE STADTKLINIK BLEIBT!

Wir erwarten einen frühzeitigen und verlässlichen Dialog mit der Stadt als Krankenhausträgerin. Die regionale Versorgungsfunktion, die medizinische Entwicklung des Standortes, die Interessen der rund 790 Beschäftigten und die erheblichen gemeinsamen Investitionen von Stadt und Land müssen bei allen weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden.

Alles andere ist inakzeptabel! Wir hoffen auf das Einsehen und die Korrektur dieser irren Ideen, bevor es zu Demos und Protesten vor dem Landtag und Parteizentralen kommen muss.


(Beitrag enthält Teile der Resolution)

26.08.26 Nachtrag zur Sitzung:

Guter Journalismus ist eigentlich auch etwas was es auf lokaler ebene geben sollte, aber hey wir kennen das ja schon. Die städtische Haus und Hofzeitung Rheinpfalz glänzte ja die letzten Jahre meist durch Gratismut und Hofberichterstattung. Kritische Töne sind zur Mangelware geworden. Aber einen Mindestanspruch an Recherche oder Lokalwissen wäre doch bei einer 3 € Papierbombe voll Werbung zu erwarten. Falls jemand Lust und Elan hat, kann er ja dem Autor dieser Glanzleistung (Glanzleistung) mal erzählen das die Linke nicht im Stadtrat sitzt und falls er mich meinen sollte ich für die Liste ZukunFt dort aktiv bin. Um das zu erfahren reicht ne google Recherche ;-) 

Bildquelle Rheinpfalz Online
Auch wieder ein Fall für sich ist dieses Bild. Sieh sehen hier "einen Teil" der Stadtratsmitglieder. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, der Teil welcher ... genehm ist. "Ob man mit dem Bild gewartet hat bis die ungewollten Mitglieder des Rates aus dem Saal waren?" So wie es ein User auf Facebook vermerkt hat, wir werden es nie erfahren. Würde aber für so manche Situation in diesem Gremium sprechen. Aber egal. Hier geht es ums Krankenhaus und da war und ist diese Resolution richtig und wichtig!



Glückwunsch liebe Rüstungsschmieden

 

Bildquelle: https://www.dw.com/de/eu-milliardenhilfe-ukraine-krieg-selenskyj-unabhaengigkeitstag/a-78482824

Liebe Leser,

zurück aus Sachsen-Anhalt beginnen wir unsere Woche mit diesem Aufreger. Kennt ihr den größten Einzahler in die EU? Richtig, ihr seit es! Nun möchte ich euch meinen Glückwunsch aussprechen. Ihr seit nun auch die größte Finanzspritze für Rüstungskonzerne dieser Welt, maßgeblich auch US-Waffenhersteller. 

"Die Europäische Union hat am Unabhängigkeitstag der Ukraine weitere Rüstungshilfen im Umfang von 6,1 Milliarden Euro freigegeben. Das Geld soll nach Angaben der EU-Kommission für Luftabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen verwendet werden." (Zitat DW)

Neben den Milliarden die bereits aus der Bundesrepublik in den "eigenwilligen Finanzströmen"  Ukrainischen Regierung versickert sind, kommen nun diese weiteren Mittel auch noch dazu. 

Die EU hatte bereits 90 Milliarden "Darlehen" (Ich sage voraus die sehen wir NIE WIEDER) abgesegnet allein 60 Milliarden nur für Mordwerkzeug. Und wie wir ja schon besprochen haben sind das nicht die ersten Zahlungen um Kriegsgerät zu beschaffen. Auch wenn diese Waffen mehrheitlich in den Rüstungsschmieden Europas beschafft werden sollen, ist das Geld jetzt nicht wirklich sinnvoller investiert.

Generell muss man sich doch fragen welche Ziele hier verfolgt werden. Der Schutz der Menschen in der Ukraine ist es nicht! Sonst würden wir unsere Diplomaten in die Flugzeuge setzen und Europa nicht die Ukrainischen Söhne und Töchter in den Schützengräben verheizen. Auch die neuliche "Befestigung" der polnischen "Ostflanke" mit Deutscher Beteiligung und Panzersperren um "Berlin vor dem Russen zu beschützen" sollte jeder noch nicht von Kriegslustpropaganda verstrahlte Geist mal hinterfragen. Die Zeichen stehen auf Sturm liebe Leser. Will man uns hier in einen "heißen Krieg" gegen Russland treiben? Es sieht doch ganz danach aus. Als Kind geboren vor dem Mauerfall kann ich für mich festhalten, nach allem was ich erlebt habe und jetzt erlebe, in einem Kalten Krieg sind wir bereits wieder. Und das diese Fronten die unsere Großeltern überwunden haben und unsere Eltern mit Sorgfalt abgebaut haben nun wieder stehen, verstärkt, finanziert und hochgerüstet werden, ... zeigt wie Geschichte sich wiederholt. Wie wahnsinnig die Menschen doch sein können und wie eine Kaste es schafft wieder Brüder und Schwestern aufzustacheln und in den Krieg zu schicken.

Die Gefahr ist akut!

Donnerstag, 20. August 2026

Fragen und Antworten

Liebe Leser,

vielen dank für euer Feedback zu meinem gestrigen Beitrag. Freue mich immer wenn mich eure Mails erreichen. Zu euren Fragen möchte ich noch Stellung beziehen, aktuell steht aber der Wahlkampf in Saschen-Anhalt an. Deswegen verzeiht mir wenn ich die Fragen nach und nach beantworte.

Frage: Warst du Mitglied der SED/PDS ?

NEIN! Ich war zwar interessiert an der PDS bin aber erst 2010 zur Linksjugend (Hessen) gekommen und 2012 dann in die Partei (RLP) eingetreten. Das hing auch damit zusammen das ich in diesem Zeitraum viele private Verpflichtungen und familiäre Ereignisse hatte. Arbeit, mein Sohn wurde geboren, mein Vater verstarb und ich hab geheiratet. Da war Politik nicht immer im Vordergrund.

Frage: Hast du eigentlich einen einen Beruf gelernt ?

Ihr glaubt gar nicht wie oft ich diese Frage in den Parteien schon gehört habe :-) , JA habe ich! Ich bin gelernter Industriebuchbinder (Medientechnologe Druck- Weiterverarbeitung) mit Abschluss und einigen harten, aber sehr schönen Jahren Berufserfahrung, auch im 3-Schichtbetrieb. Dieses Gerücht, ich hätte keinen Beruf erlernt ..., ich muss da echt immer schmunzeln, stammt von einem Neider und Hater, einem kleinen leider von Hass zerfressenen Zwiebelschäler aus dem Hunsrück. Mehr gibt es da eigentlich nicht zu erzählen.

Frage: Sollte das BSW mit der AfD zusammenarbeiten ?

Koalitionen oder gemeinsame Anträge sehe ich jetzt nicht. Wenn inhaltlich sinnvolle Themen auf die Agenda kommen, soll stimmen wer mit wem will. Ich weiß einigen passt das nicht, aber hey ... willkommen in der Demokratie. Und ganz ehrlich dieses Brandmauergeblubber juckt mich nicht mehr. Meine Eltern haben mir Anstand und Freundlichkeit mitgegeben und ich Begrüße mein Gegenüber, auch mit Handschlag. Ich spreche mit wem ich will und wann ich will. Das werde ich mir von keiner Menschenseele vorschreiben lassen. Ganz einfach!

Frage: Du "liebst" das BSW ? Liebst du dann auch Sahra Wagenknecht ?

Ähm ... ok also vielleicht ist Liebe ein zu großer Begriff dafür aber ja ich habe im BSW aktuell meine politische Heimat gefunden. Ich schätze und respektiere Sahra, Oskar und viele Andere in der Führung sehr und freue mich Teil unserer Partei zu sein. Ich liebe allerdings die Bücher von Sahra seit "Mythen der Modernisierer" bewundere ich oft ihre Scharfsinnigkeit. Ich lese ja gern und viel, zum Leid meiner Verlobten und dem damit verbundenen Platzmangel ... generell habe ich eine Vorliebe für Analoge Medien. Viele Autoren begeistern mich und inspirieren mich meine Gedanken zu ordnen und die jeweilige Lage aus meiner Sicht einzuordnen. 

So dass war es erstmal, die restlichen Fragen beantworte ich die Tage. Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt schreibt mir natürlich gerne ne Mail.

David

Anm. mit über 500 Aufrufen war der gestrige Beitrag wirklich überraschend gut erreicht, hätte ich nicht gedacht. Danke für euer Interesse!

 

Mittwoch, 19. August 2026

Wie ich lernte, die Schubladen offen zu lassen!

 

Liebe Leser,

heute möchte ich euch mal auf eine ganz persönliche, meine politische und gesellschaftliche Reise der letzten Jahre mitnehmen. Anlass dafür ist ein spannendes Interview mit Monchi, dem Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Einer früher linksextremen heute eher linken Band. Ich mochte sie tatsächlich schon immer. Gerade der Sound mit Trompete und dem leicht "out of the Box" Gesang machte ihn mir immer Schmackhaft. Bin da ja eigen. Ich lasse mir auch nicht sagen was ich zu hören, welche T-Shirts ich zu tragen oder mit wem ich zu reden habe! Monchi hinterfragt im Interview die letzten Jahre und ob man mit einer harten radikalen Linie wirklich versteht warum Menschen wählen was sie wählen, oder ob man die Gesellschaft und auch seine Blase nicht einfach nur spaltet. Er stellt sich auch völlig zurecht gegen Gewalt gegen Polizei und Ordnungskräfte und ich möchte es ausdrücklich begrüßen! Also nehme ich euch mit auf meine politische Reise, oder: 

Wie ich lernte, die Schubladen offen zu lassen!

Politische Biografien beginnen in der Rückschau erstaunlich oft mit dem Satz: „Eigentlich war ich schon immer …“ Ich misstraue diesem Satz grundlegend. Ich war nämlich nicht schon immer irgendetwas. Ich habe Ansichten verändert, Dinge geglaubt, Dinge verworfen, mich geirrt, dazugelernt und vermutlich werde ich mich auch in Zukunft noch gelegentlich dabei erwischen, irgendeinen Unsinn mit großer Überzeugung vertreten zu haben. Es gehört zur persönlichen Reifung, dem Erwachsen werden dazu. Und ist man erwachsen, wächst die Erkenntnis mit dem erlernten Wissen und den persönlichen Entscheidungen. So lernte der Mensch Gefahren zu erkennen, so ändert man knapp alle 7 Jahre, so sagt, man seinen Geschmack und Blickwinkel auf sein Leben und die Welt! Das nennt man entweder politische Entwicklung oder Älterwerden. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. 

Meine politische Geschichte führte mich über die ehemalige SED und später / heute die Linkspartei schließlich zum Bündnis Sahra Wagenknecht. Das klingt, auf drei Zeilen zusammengestaucht, nach einem relativ übersichtlichen Reiseweg. In Wirklichkeit hatte die Strecke einige Umleitungen, Baustellen und mindestens einen Schienenersatzverkehr. Und den gibt es viel öfter als man glaubt. Ich kam aus einem politischen Elternhaus, in dem „links“ für mich zunächst etwas sehr Bodenständiges auch konservatives bedeutete. Soziale Gerechtigkeit. Frieden. Gute Löhne. Eine vernünftige Rente. Bezahlbare Wohnungen. Respekt vor Menschen, die morgens aufstehen und arbeiten gehen. Solidarität mit denen, die es schwerer haben. (Ich begeisterte mich ohne fundiertes Wissen in den beginnenden 2000er für Leute wie Gysi und Co.) Und vor allem gehörte für mich dazu, Macht kritisch zu betrachten. Der Linke sollte "den Mächtigen" auf die Finger schauen. So hatte ich es jedenfalls verstanden. Irgendwann stellte ich allerdings fest, dass Teile der politischen Linken sehr genau darauf achteten, wem sie auf die Finger schauten. Regierung, Konzerne, Banken und NATO? Selbstverständlich. Aber sobald bestimmte gesellschaftliche Überzeugungen innerhalb des eigenen Milieus als richtig galten, wurde Kritik plötzlich wesentlich komplizierter. Aus Diskussionen wurden zunehmend Glaubensfragen. Und wer die falsche Frage stellte, bekam manchmal keine Antwort mehr, sondern ein Etikett. Das war praktisch. Etiketten sparen schließlich Zeit. (Bist du Migrationskritisch = Nazi / magst bestimmte Marken einfach, die nicht aus der linken Blase stammen = Kapitalist und und und ..  das geht endlos weiter) Warum zwei Stunden miteinander diskutieren, wenn man den anderen innerhalb von zwanzig Sekunden in eine Schublade stecken kann? 

Dann kam Corona ...

Die Corona-Zeit war für mich ein Wendepunkt.

Nicht, weil ich eines Morgens aufwachte und plötzlich glaubte, dass grundsätzlich alles gelogen sei. So einfach war es nicht. Und ich möchte meine damaligen Zweifel auch nicht im Nachhinein größer oder heroischer machen, als sie waren. Auch ich habe mich Impfen lassen und war damit cool.  Es war vielmehr ein schleichendes Unbehagen. Ich beobachtete, wie selbstverständlich plötzlich über weitreichende staatliche Eingriffe gesprochen wurde. Ich sah gesellschaftlichen Druck, moralische Aufladung und eine Atmosphäre, in der manche Fragen kaum noch als Fragen behandelt wurden. Und gerade in jener politischen Heimat, von der ich eigentlich erwartet hätte, dass sie besonders empfindlich auf staatliche Macht und gesellschaftlichen Konformitätsdruck reagiert, erlebte ich Entwicklungen, die mich irritierten. Ich empfand Teile meiner damaligen Partei zunehmend als maximal autoritär. Das war für jemanden mit meiner politischen Vergangenheit durchaus eine bemerkenswerte Erfahrung und eine schwelende Enttäuschung. Ausgerechnet ich saß irgendwann da und dachte: "Moment mal, sollten nicht eigentlich wir diejenigen sein, die skeptisch werden, wenn der Staat immer tiefer in das Leben seiner Bürger eingreift?" Ich war in dieser Zeit Spitzenkandidat der Linkspartei zur Landtagswahl 2021 der LINKEn in Rheinland-Pfalz, einem der radikalsten Landesverbände der ehemaligen SED. Ich begann also meine eigenen Überzeugungen zu überprüfen. Das war unangenehm und tat weh. Es zerbrach viele Vorstellungen und Ideen die mich mehr als 20 Jahre lang begleitet hatten. Seine politischen Gegner zu hinterfragen ist schließlich ein hervorragendes Hobby. Die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen macht deutlich weniger Spaß. Plötzlich musste ich mir Fragen stellen, die ich lange für beantwortet gehalten hatte. Und Wahrheiten erkennen die mir vorher nicht wahr werden sollten. Bin ich wirklich tolerant, wenn meine Toleranz nur für Menschen gilt, die ungefähr dasselbe denken wie ich? Bin ich für Meinungsfreiheit nur dann, wenn mir die Meinung gefällt? Bin ich gegen Ausgrenzung oder lediglich gegen die Ausgrenzung derjenigen, die zu meinem politischen Lager gehören? Muss ich Menschen tolerieren die mich / uns und unsere Art zu Leben hassen ? Und wann ist aus einer politischen Bewegung, die gesellschaftliche Verhältnisse kritisieren wollte, eine geworden, in der manche Menschen einander erklären, welche Wörter, Fragen und Gedanken noch akzeptabel sind?

Je länger ich darüber nachdachte, desto eindeutiger wurde meine eigene Antwort!  

Die Sache mit dem Mainstream... 

Auch mein Verhältnis zu Medien veränderte sich. Früher hätte ich manche Kritik an großen Medienhäusern vermutlich schneller abgetan. Heute bin ich skeptischer. Dabei habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Man muss nicht glauben, dass morgens um halb acht irgendwo ein geheimer Medienrat zusammentritt und beschließt, was Deutschland heute denken darf, um Medien kritisch zu betrachten. Alle Journalisten könnten hervorragende Arbeit leisten. Sie können Missstände aufdecken, Regierungen kontrollieren und Dinge sichtbar machen, die Mächtige lieber verborgen hielten. Aber Journalisten sind nur Menschen. Redaktionen sind Milieus. Menschen haben Überzeugungen, blinde Flecken, Moden und Gruppendynamiken. Menschen und gerade auch Journalisten haben Arbeitgeber denen sie ihr Brot verdanken. Journalisten sind in der Regel unfreie in ihrer reflektierten Lebenswirklichkeit! Und deshalb halte ich es heute für vollkommen legitim, auch sogenannte "Leitmedien" und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisch zu hinterfragen. Ebenso darf man fragen, ob die gegenwärtige Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks richtig, angemessen und zeitgemäß ist. Und ich habe mich dafür Entschieden dass er aus guten Gründen abgeschafft gehört, dazu habe ich ja schon einige Aufsätze hier verfasst. Kritik daran macht einen nicht automatisch zum Feind der Demokratie, das ist einfach nur ein lächerliches Totschlagargument der Hilflosigkeit. Genauso wenig bedeutet Medienkritik allerdings, dass jede Behauptung aus irgendeinem Telegram-Kanal plötzlich zur Wahrheit wird, nur weil darunter „DAS VERSCHWEIGEN DIE MEDIEN!!!“ steht. Auch diese Erkenntnis gehört zu meiner politischen Entwicklung. Misstrauen allein ist nämlich noch keine Erkenntnis.

Keine Lust mehr auf die Brandmauer im Kopf...

Ein weiterer Punkt beschäftigte mich immer stärker: die sogenannte Brandmauer. Ich habe keine Lust auf eine Gesellschaft, in der Millionen Menschen politisch abgeschrieben werden. Ich möchte wissen, warum Menschen bestimmte Parteien wählen. Ich möchte mit ihnen reden und ja, ich rede auch mit ihnen, es ist legitim und absolut normal. Wer welche Partei wählt ist Privatsache, wie Religion oder Sexualität. In meiner Welt entscheidet darüber jeder freie Bürger und jede freie Bürgerin selber. Und ich halte es für abstoßend Boshaft und extrem antidemokratisch, Menschen aus ideologischen Vorbehalten von Wahlen auszuschließen.

Das bedeutet nicht, dass ich jede Position teile. Es bedeutet auch nicht, dass jede politische Forderung plötzlich akzeptabel wird. Natürlich gibt es für mich Grenzen. Rassismus bleibt Rassismus. Menschenverachtung bleibt Menschenverachtung. Gewalt bleibt Gewalt. Aber ein Mensch ist mehr als sein Kreuz auf einem Wahlzettel. Er ist keine Ratte, Ungeziefer oder Abschaum nur weil er sein Kreuz nicht da macht wo es dem einen oder der anderen Vollzeitaktivisten nicht gefällt. Wenn wir jeden, der politisch anders denkt, moralisch aus der Gesellschaft hinausdefinieren, müssen wir uns nicht wundern, wenn irgendwann niemand mehr miteinander spricht. Demokratie besteht schließlich nicht darin, dass alle dieselbe Meinung haben. Das wäre auch eine ziemlich langweilige Demokratie. Und wahrscheinlich eine sehr kurze. Die Wirklichkeit ist nicht immer schwarz und weiß sondern hat oft auch mehr Facetten wie wir mit unserer eigenen beschränkten Wahrnehmung erkennen.

Auch bei der Migrationsfrage veränderte sich mein Denken...

Lange gehörte es in meinem politischen Umfeld beinahe zum guten Ton, bestimmte Probleme möglichst vorsichtig, besser gar nicht anzusprechen. Schon die falsche Formulierung konnte eine Diskussion beenden, bevor sie begonnen hatte. Aber irgendwann dachte ich: Das kann ebenfalls nicht die Lösung sein. Menschen, die nach Deutschland kommen, sind zunächst einmal Menschen. Unter ihnen gibt es Familien, Arbeitnehmer, Studenten, Verfolgte, Hoffnungsträger und Menschen, die einfach ein besseres Leben suchen. Aber Menschen bleiben Menschen. Und deshalb gibt es selbstverständlich auch unter Migranten Straftäter, Gewalttäter, Vergewaltiger, Mörder und Menschen, die unsere Werte und Regeln ablehnen. Das festzustellen ist kein Hass. Es ist Vernünftig und Gerecht, es sorgt auch dafür dass wir ein Problem differenziert betrachten können. Wer illegal zu uns kommt, begeht eine Straftat, erkennen wir das an muss der Gedanke auch zu Ende gebracht und berechtigter Weise ausgeführt werden. Entscheidend ist, daraus keine pauschale Verurteilung ganzer Bevölkerungsgruppen abzuleiten. Gleichzeitig gibt es Menschen, die kein Aufenthaltsrecht haben. Ein Rechtsstaat muss auch in der Lage sein, seine eigenen Regeln durchzusetzen. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Man kann Flüchtlingen helfen und kontrollierte Migration verlangen. Man kann gegen Rassismus sein und Kriminalität benennen. Man kann Menschen verschiedener Herkunft respektieren und erwarten, dass Regeln unserer Art zu Leben eingehalten werden. Diese Erkenntnis klingt heute für mich beinahe banal. Politisch war der Weg dorthin allerdings erstaunlich. Vielleicht liegt genau darin eines unserer größten Probleme: Wir haben uns angewöhnt, politische Fragen wie Fußballspiele zu behandeln. Wer für Mannschaft A spielt, darf keinen guten Pass von Mannschaft B anerkennen.

Ich hatte also nach der Landtagswahl 21., ich sag es ehrlich heraus ... politisch abgeschlossen. Die Luft war raus. Meine Ideen fanden in der meiner Partei nur Anfeindungen, die Linke selber auch heute noch ein zutiefst zerstrittener radikaler Haufen. Zwischen Barrikadenheidi , Stasiromantik und Mauer. Und da kommen sie auch niemals heraus. Ich habe Tausende innerparteiliche Sitzungsstunden erlebt und ich sage euch offen, diese Partei ist gefährlicher wie fast jede Andere in Deutschland! 

Und dann kam Sahra ...

Mit Sahra Wagenknecht und schließlich dem Bündnis Sahra Wagenknecht fand ich politische Gedanken wieder, die ich lange vermisst hatte. Soziale Politik, ohne jede gesellschaftspolitische Mode automatisch übernehmen zu müssen. Friedenspolitik. Endlich wieder im Mittelpunkt. Eine kritische Haltung gegenüber wirtschaftlicher Ungleichheit. Aber gleichzeitig die Bereitschaft, über Migration, öffentliche Sicherheit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu sprechen. Für mich bedeutete der Wechsel zum BSW deshalb nicht, dass ich plötzlich ein völlig anderer Mensch geworden war. (Und ich bin bis heute Stolz darauf dieses tolle Projekt mitgegründet zu haben.)

Im Gegenteil. In gewisser Weise hatte ich das Gefühl, wieder bei einigen Überzeugungen anzukommen, wegen derer ich ursprünglich einmal politisch geworden war. Der Arbeiter interessiert sich schließlich morgens möglicherweise weniger dafür, ob seine politische Sprache auf einem Universitätsseminar die volle Punktzahl bekommen würde. Er möchte wissen, ob sein Arbeitsplatz sicher ist. Ob er seine Miete bezahlen kann. Ob seine Kinder eine vernünftige Schule besuchen. Ob seine Mutter einen Pflegeplatz bekommt. Ob der Bus noch fährt. Und ob nach Stromrechnung, Lebensmitteln und Versicherungen am Monatsende noch genug Geld übrig bleibt, um nicht beim Öffnen der Banking-App vorsichtshalber vorher einen Schnaps zu brauchen. Wobei ich inzwischen gelernt habe, dass auch Tee funktioniert. Auch meine konservative Ader findet sich zu 100% im BSW wieder und dafür liebe ich diese Partei und danke Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine und den vielen 1000den Mitgliedern.

Bin ich heute schlauer? Möglich oder auch nicht. Das glaubt schließlich jeder Mensch über seine gegenwärtige Version.

Fragt mich in zehn Jahren noch einmal. Was ich tatsächlich gelernt habe, ist etwas anderes: Politik funktioniert nicht dauerhaft in Schwarz und Weiß. Ich möchte keinen Staat, der seinen Bürgern vorschreibt, was sie denken sollen. Ich möchte aber ebenso wenig einen Staat, der sich selbst aufgibt. Ich möchte Solidarität mit Menschen, die wirklich Hilfe brauchen. Aber Solidarität braucht klare Regeln. Unsere Sozialsysteme haben klare Belastungsgrenzen. Ich möchte freie Medien. Und gerade deshalb müssen Medien kritisiert werden dürfen. Ich möchte Meinungsfreiheit. (Ohne im Morgengrauen besucht zu werden.) Und die zeigt ihren Wert nicht bei Meinungen, denen ohnehin 95 Prozent des Raumes zustimmen. Ich möchte keine gesellschaftliche Ächtung von Menschen aufgrund ihrer politischen Wahl. Aber daraus folgt nicht, dass ich Extremismus, Rassismus oder Gewalt akzeptieren müsste. (Weder rechte Mobs, noch Hammerbanden oder Schariapolizei, ihr und eure Gewalt sind in meiner, unserer Heimat NICHT WILLKOMMEN) Vielleicht bin ich politisch deshalb heute schwerer in eine Schublade zu bekommen. Damit kann ich leben. Schubladen sind ohnehin eher etwas für Socken. Meine Geschichte von der Linkspartei bis zum Bündnis Sahra Wagenknecht ist deshalb für mich keine Geschichte darüber, dass ich irgendwann „aufgewacht“ wäre. Diesen Ausdruck überlasse ich anderen. Es ist die Geschichte eines Menschen, der angefangen hat, den eigenen politischen Kompass gelegentlich neu zu kalibrieren. Und ich freue mich zu lesen und hören das auch andere wie Monchi und Co. hier änliche Erfahrungen machen. Ich habe dabei alte Gewissheiten, Freunde und viele Kontakte verloren. Einige neue Überzeugungen und Freunde gewonnen. Und bei manchen Dingen festgestellt, dass zwei scheinbar widersprüchliche Gedanken gleichzeitig richtig sein können. Vielleicht ist genau das politisches Erwachsenwerden. Nicht irgendwann auf alles eine Antwort zu haben. Sondern endlich keine Angst mehr davor zu haben, die falschen Fragen zu stellen. Keine Angst davor zu haben unbequeme Tatsachen zu benennen und sich auch Fehler einzugestehen. Oder auch mal Meinungen zu ändern. Heute weiß ich jedenfalls ziemlich genau, wo ich politisch stehe.

Zumindest bis zur nächsten Grundsatzdiskussion. Dann sehen wir weiter... ;-)