Samstag, 5. September 2026

Eine Bundespräsidentin !?

Liebe Leser,

neulich sprachen wir doch über die Wahl des Bundespräsidenten, aktuell werden wir ja regelmäßig von Steinmeier blamiert und damit ist ja im kommenden Jahr endlich Schluss! Ich hatte mich ja schon für meinen Alltime Genius Harald Schmidt ausgesprochen und eine Top 5 vorgelegt. Tatsächlich habe ich dort einen brillanten Geist vergessen. Entschuldigt. 

Warum also Gabriele Krone-Schmalz auch die richtige Bundespräsidentin für Deutschland wäre? Eine Bundespräsidentin, die Brücken baut, statt neue Gräben zu ziehen. Anfang 2027 wird relativ undemokratisch, denn sonst wäre es eine Bürgerwahl, ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die zweite Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier endet endlich und damit stellt sich eine Frage, die weit über Personalpolitik hinausgeht: Welche Persönlichkeit braucht unser Land in einer Zeit, in der internationale Konflikte gefördert, gesellschaftliche Debatten immer erbitterter geführt werden und die Fähigkeit, miteinander zu sprechen, beinahe selbst zu einer politischen Streitfrage geworden ist?

Eine Antwort darauf wäre neben Harald Schmidt eindeutig: Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, eine mit Abstand herausragende Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin. Nicht, weil man jede ihrer politischen Einschätzungen teilen müsste. Nicht, weil sie eine bequeme Kandidatin wäre. Und schon gar nicht, weil sie sich dem jeweiligen politischen Zeitgeist angepasst hätte. Sondern gerade deshalb, weil sie das nicht tut, weil sie Charakter hat. Weil sie sich nicht wie die aktuelle Fahne im Wind verbiegen lässt. Deutschland braucht an seiner Staatsspitze meiner Ansicht nach wieder Persönlichkeit, jemanden er zuhören kann, der unterschiedliche Perspektiven kennt und der weiß, dass Diplomatie nicht bedeutet, dem Gegenüber recht zu geben. Diplomatie bedeutet, auch mit Menschen und Staaten zu sprechen, deren Handlungen man ablehnt. Auch Gabriele Krone-Schmalz verkörpert dieses Prinzip seit Jahrzehnten.

Vom Bayerischen Wald über Köln nach Moskau

Gabriele Krone-Schmalz wurde am 8. November 1949 in Lam im Bayerischen Wald geboren und wuchs später in Köln auf. Sie studierte Osteuropäische Geschichte, Politikwissenschaften und Slawistik. 1974 schloss sie ihr Studium mit dem Magister ab, 1977 folgte die Promotion in Geschichte und Politischen Wissenschaften. Damit beschäftigte sie sich bereits wissenschaftlich intensiv mit Osteuropa und Russland, lange bevor Russlandkenntnisse in deutschen Talkshows zu einer Art politischer Handelsware wurden. Lange bevor manche Küchenhilfe in Moskau einmarschieren wollte...

1976 begann ihre Laufbahn beim Westdeutschen Rundfunk. Nach ihrem Volontariat arbeitete sie unter anderem für die Redaktionen von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Anfang der achtziger Jahre gehörte sie zur Redaktion des politischen Magazins „Monitor“. Bereits zuvor hatte sie zeitweise im ARD-Studio New York gearbeitet. Der entscheidende Abschnitt ihrer journalistischen Karriere begann jedoch 1987.

Gabriele Krone-Schmalz ging als Korrespondentin der ARD nach Moskau. Sie berichtete dort bis 1991 und erlebte damit eine der dramatischsten Perioden der europäischen Geschichte unmittelbar vor Ort: Glasnost und Perestroika, die Ära Michail Gorbatschows, den Zerfall der alten Machtstrukturen und schließlich die letzten Jahre der Sowjetunion. Das ist ein Erfahrungsschatz, den man nicht aus Akten, Strategiepapieren oder kurzen diplomatischen Briefings gewinnen kann. Nichts was man im Jurastudium oder schlafend im Kanzleramt hätte lernen können. Krone-Schmalz hat Russland und die Sowjetunion nicht nur wissenschaftlich untersucht. Sie hat dort gearbeitet, Menschen getroffen und gesellschaftliche Veränderungen aus unmittelbarer Nähe beobachtet. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland moderierte sie unter anderem von 1992 bis 1997 den ARD-„Kulturweltspiegel“ und arbeitete anschließend als freie Journalistin und Autorin. Später vermittelte sie ihre journalistischen Erfahrungen auch als Professorin für Fernsehen und Journalistik erfolgreich an Studierende. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet. Zu ihren Ehrungen gehören unter anderem Grimme-Auszeichnungen, der Deutsche Kritikerpreis, der Goldene Gong und der Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik. 1997 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für die Qualität ihrer Fernsehberichterstattung. Diese Biografie allein macht selbstverständlich noch niemanden zu einer guten Bundespräsidentin. Aber sie zeigt etwas, das ich für dieses Amt für außerordentlich wichtig halte: Erfahrung, Bildung, internationale Kenntnisse und die Fähigkeit, gesellschaftliche Entwicklungen nicht ausschließlich durch die engen Raster des politischen Tagesgeschäfts zu betrachten. Diplomatie beginnt mit dem Versuch, den anderen zu verstehen! Ein Satz von Gabriele Krone-Schmalz bringt für mich auf den Punkt, warum sie für das höchste Staatsamt geeignet wäre: „Jetzt ist Politik, das heißt Diplomatie gefragt.“ Dieser Satz stammt aus einem Interview über den Konflikt in der Ukraine. Und zeigt auch wie klar und ehrlich ihre friedenspolitischen Position sind! Entscheidend ist dabei, was sie unter Diplomatie versteht. Für Krone-Schmalz bedeutet die Beschäftigung mit der Vorgeschichte eines Konfliktes ausdrücklich nicht, Unrecht zu rechtfertigen. Vielmehr geht es darum, Lösungen zu finden, die langfristig Bestand haben können.

Genau diese Unterscheidung ist in der öffentlichen Diskussion häufig verloren gegangen. Verstehen bedeutet nicht rechtfertigen. Wer ehrlich verstehen will, warum ein anderer Staat handelt, wie er handelt, billigt dessen Handlungen nicht automatisch. Im Gegenteil: Ohne die Motive, Interessen, Ängste und strategischen Überlegungen des Gegenübers zu kennen, kann erfolgreiche Außenpolitik kaum funktionieren. Ein Arzt muss eine Krankheit verstehen, um sie behandeln zu können. Ein Ermittler muss die Motivation eines Täters verstehen, um einen Fall aufzuklären. Und ein Diplomat muss die Interessen der Gegenseite verstehen, wenn er einen Konflikt entschärfen will. Der reine Russenhass der durch die aktuellen politischen Eliten dieses Landes in die Welt getragen wird ist Teil des Problems, nicht die Lösung!

Die offene und verständige Denkweise zieht sich wie ein roter Faden durch Krone-Schmalz’ öffentliches Wirken. Bereits über ihr journalistisches Selbstverständnis sagte sie einmal sinngemäß, dass persönliche Sympathien oder Antipathien bei der Darstellung eines Sachverhalts möglichst keine Rolle spielen sollten. Man müsse sich der eigenen Denkmuster bewusst sein, um Dinge möglichst neutral vermitteln zu können. Für mich ist genau diese Fähigkeit für ein Staatsoberhaupt von unschätzbarem Wert. Eine Präsidentin des Gesprächs. Deutschland braucht kein Staatsoberhaupt, das lediglich die außenpolitischen Positionen der jeweiligen Bundesregierung wiederholt. Und das eigene Volk für dumm hält und keine Gelegenheit auslässt um es zu belehren. Das gilt übrigens auch für den Überganskanzler. Das Amt des Bundespräsidenten besitzt eine besondere Qualität. Sein Gewicht entsteht zu einem erheblichen Teil durch Worte, Gesten, Begegnungen und moralische Autorität. Deshalb könnte gerade eine Bundespräsidentin Krone-Schmalz eine besondere Rolle spielen. Sie könnte versuchen, Gesprächskanäle dort offenzuhalten, wo andere sie längst aufgegeben haben. Sie könnte dafür werben, dass Europa wieder stärker diplomatisch denkt. Und sie könnte Deutschland international als ein Land vertreten, das seine Interessen verteidigt, ohne deshalb die Verständigung mit anderen Staaten grundsätzlich aufzugeben. Krone-Schmalz formulierte ihre Überzeugung einmal so:

„Wer zum Frieden beitragen möchte, muss sich von Entweder-Oder-Positionen verabschieden.“

Dieser Gedanke ist größer als die aktuelle Auseinandersetzung um Russland und die Ukraine. Er beschreibt eine politische Haltung. Diplomatie funktioniert selten nach dem Prinzip hundertprozentiger Übereinstimmung. Sie funktioniert durch Kompromisse zwischen Staaten, die unterschiedliche Interessen besitzen. Gerade deshalb braucht Diplomatie Menschen, die Widersprüche aushalten können.

Zu einer glaubwürdigen Würdigung von Gabriele Krone-Schmalz gehört allerdings auch die Kontroverse. Ihre Positionen zu Russland und insbesondere zum Verhältnis zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen werden seit Jahren heftig kritisiert. Kritiker werfen ihr vor, russische Interessen und russische Sicherheitsargumente stärker zu berücksichtigen als die Perspektiven osteuropäischer Staaten. Insbesondere seit dem Beginn des Konflikts in der Ukraine 2022 stehen ihre Äußerungen im Zentrum kontroverser Debatten. Diese Kritik darf man zwar nicht unterschlagen, kommt sie aber doch auch immer von Leuten die an diesem Konflikt verdienen. Wie glaubwürdig sind diese dann ? Krone-Schmalz selbst hat den russischen Einmarsch jedoch keineswegs als legitim bezeichnet. Ihre Position wurde vielmehr immer wieder damit verbunden, dass der Einmarsch nicht zu rechtfertigen und völkerrechtswidrig sei, während sie gleichzeitig fordert, Vorgeschichte, Sicherheitsinteressen und politische Fehler aller beteiligten Seiten zu untersuchen. Sie erkennt zurecht das es einen "Europäischen Frieden" nur unter Einbeziehung Russlands in diplomatische Debatten geben kann.

Die Erfahrung des Kalten Krieges

Ein weiterer Punkt spricht meiner Ansicht nach für Krone-Schmalz. Sie gehört einer Generation an, die den 1. Kalten Krieg nicht aus Geschichtsbüchern kennt. Sie hat erlebt, was es bedeutet, wenn sich zwei hochgerüstete Machtblöcke gegenüberstehen. Sie berichtete aus Moskau in einer Zeit, in der sich diese Konfrontation langsam auflöste. Die deutsche Wiedervereinigung und das Ende des Kalten Krieges wurden schließlich nicht auf einem Schlachtfeld erreicht. Sie waren auch Ergebnisse von Verhandlungen. Von offenen Gesprächskanälen. Von Vertrauen. Und auch dem Vorschuss darauf!

Von Menschen wie Willy Brandt, Egon Bahr und später Michail Gorbatschow, die verstanden hatten, dass Sicherheit langfristig nicht ausschließlich durch Abschreckung geschaffen werden kann. Krone-Schmalz knüpft in ihrem politischen Denken erkennbar an diese Tradition an. Sie formulierte einmal:

„Frieden ist harte Arbeit.“ Das klingt beinahe banal. Tatsächlich beschreibt dieser kurze aber prägnante Satz eine der reinsten politischen Wahrheiten, die wir zunehmend vergessen haben: Frieden ist kein natürlicher Zustand. Frieden muss organisiert werden.

Man muss mit Menschen sprechen, die man nicht mag. Man muss Interessen ausgleichen. Man muss Kompromisse schließen. Manchmal muss man nach Jahren des gegenseitigen Misstrauens wieder einen ersten Gesprächsfaden aufnehmen. Genau darin besteht Diplomatie. Sie ist keine Berufspolitikerin – und gerade deshalb interessant!  Das Amt des Bundespräsidenten sollte nicht zwangsläufig der letzte Karriereschritt eines überflüssigen Parteipolitikers sein. Das Grundgesetz verlangt das nicht.

Warum sollte das Staatsoberhaupt nicht wieder stärker aus der Gesellschaft kommen? Eine Journalistin, Wissenschaftlerin und Publizistin mit jahrzehntelanger internationaler Erfahrung könnte diesem Amt einen anderen Charakter verleihen. Krone-Schmalz müsste keine innerparteilichen Rechnungen begleichen. Sie müsste keine politische Karriere mehr planen. Sie müsste nicht darüber nachdenken, welches Ministeramt sie anschließend übernehmen könnte.  Sie könnte tatsächlich das tun, was von einem Bundespräsidenten erwartet wird: reden, zuhören, mahnen und vermitteln.

Ein Gegenentwurf zur zunehmenden Polarisierung

Ihre Kandidatur hätte darüber hinaus eine innenpolitische Bedeutung. Unsere Gesellschaft zerfällt zunehmend in politische Lager, die kaum noch miteinander sprechen. Menschen werden vorschnell als „rechts“, „links“, „Putinversteher“, „Kriegstreiber“, „Verschwörungstheoretiker“ oder mit anderen Etiketten versehen. Das Ergebnis ist häufig nicht Erkenntnis, sondern Gesprächsabbruch. Krone-Schmalz hat genau vor diesem Schwarz-Weiß-Denken immer wieder gewarnt. Vor vielen Jahren sagte sie über ihre persönliche Prägung, sie habe gelernt, Fragen zu stellen, bevor man sich zu einem Urteil aufschwinge. Ebenso habe sie früh erfahren, dass die Welt eben nicht nur aus Gut und Böse bestehe. Was für ein wertvoller Grundsatz für ein Staatsoberhaupt. Findet ihr nicht? Das negative Beispiel ist aktuell ja noch im Amt! Ein Bundespräsident sollte nicht Präsident der Regierung sein. Nicht Präsident der Opposition. Nicht Präsident derjenigen, die „richtig“ gewählt haben. Sondern Bundespräsident aller Deutschen. Dazu gehört auch, Menschen anzusprechen, deren politische Ansichten man selbst nicht teilt. Deutschland braucht endlich wieder eine diplomatische Stimme keinen woken Moralapostel.  Die kommenden Jahre werden außenpolitisch vermutlich nicht einfacher. Europa wird sein Verhältnis zu Russland langfristig klären müssen. Gleichzeitig verschieben sich die weltpolitischen Kräfteverhältnisse. China, Indien und andere Staaten gewinnen an Bedeutung. Die Vereinigten Staaten verfolgen zunehmend ihre eigenen strategischen Interessen. Deutschland braucht deshalb außenpolitische Eigenständigkeit, Sachkenntnis und diplomatische Kompetenz. Eine Bundespräsidentin Krone-Schmalz könnte dabei eine besonderes ernstzunehmende Stimme sein. Natürlich nicht als Ersatz für die Bundesregierung oder als Schattenaußenministerin. Vielmehr als Staatsoberhaupt, das international für eine deutsche Tradition der Diplomatie steht. Für Gespräch statt Gesprächsabbruch. Für Analyse statt Feindbild. Für Interessenausgleich statt moralischer Selbstgewissheit. Und vor allem für die Erkenntnis, dass man Frieden irgendwann immer mit seinem Gegner schließen muss, nicht mit seinen Freunden.

Eine Kandidatur, über die Deutschland diskutieren sollte. Nicht nur einige Ausgewählte in Hinterzimmern. Dass Gabriele Krone-Schmalz polarisiert, ist deshalb für mich kein Argument gegen ihre Kandidatur. Vielleicht ist es sogar eines dafür. Eine Bundespräsidentenwahl sollte mehr sein als das Ergebnis vorheriger Absprachen zwischen Parteizentralen. Sie sollte eine Debatte darüber auslösen, welche Werte das Staatsoberhaupt verkörpern soll. Gabriele Krone-Schmalz steht für journalistische Erfahrung, wissenschaftliche Beschäftigung mit Osteuropa, jahrzehntelange Russlandkenntnis und vor allem für einen beharrlichen Glauben an die Möglichkeiten von Gespräch und Diplomatie.

Das macht sie nicht unfehlbar. Ein Bundespräsident muss aber auch nicht unfehlbar sein. Er sollte, anders als aktuell unabhängig denken können. Meine Favoriten wären also Gabriele Krone-Schmalz oder Harald Schmidt

Für mich wäre ihre Wahl deshalb ein starkes Signal. Ein Signal, dass Deutschland wieder stärker auf Diplomatie setzt. Ein Signal, dass eine abweichende Meinung nicht automatisch eine illegitime Meinung ist. Ein Signal dafür, dass politische Erfahrung nicht ausschließlich in Parlamenten und Parteizentralen erworben wird. Und ein Signal an die Welt, dass Deutschland trotz aller Konflikte bereit bleibt, Gesprächskanäle offenzuhalten. Gabriele Krone-Schmalz sagte über ihre journalistische Arbeit einmal, man müsse die eigenen Sympathien und Antipathien erkennen und versuchen, Sachverhalte möglichst neutral zu vermitteln. Was zunächst nach einem journalistischen Grundsatz klingt, könnte auch ein bemerkenswert gutes Leitmotiv für eine Bundespräsidentin sein.

In einer Zeit der Aufrüstung der Worte und der zunehmenden internationalen Konfrontation brauchen wir vielleicht etwas anderes an der Spitze unseres Staates: eine Diplomatin. Eine Vermittlerin. Eine Frau, die Russland kennt, ohne deshalb Russland sein zu müssen; die den Westen kennt, ohne deshalb jeden seiner Fehler zu übersehen; und die verstanden hat, dass Frieden nicht durch Wunschdenken entsteht, sondern durch beharrliche politische Arbeit.

Deshalb wäre Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz für mich nicht nur irgendeine mögliche Kandidatin.

Sie wäre meine Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen