Liebe Leser,
wusstet ihr das? Es war damals ein lauer Herbstabend, der 2. November 2020. Die Menschen in der Wiener Innenstadt genossen die letzten Stunden der Freiheit, bevor am nächsten Tag ein erneuter verrückter COVID-19-Lockdown das öffentliche Leben im Land wieder einfrieren sollte. Das sogenannte „Bermudadreieck“, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seine lebendige Gastronomie, war an diesem Montagabend außergewöhnlich gut besucht. Herzliches Lachen, ein belebtes Stimmengewirr und das gesellige Klirren von Gläsern erfüllten laut Zeugen die engen Gassen rund um den historischen Ruprechtsplatz und die Seitenstättengasse. Niemand der Anwesenden ahnte, dass diese friedliche Idylle in nur wenigen Augenblicken von blindem Hass und einer unvorstellbaren Welle der Gewalt zerschmettert werden würde. Als dann um kurz nach 20:00 Uhr die ersten Schüsse fielen, veränderte sich die gewohnte Atmosphäre der Metropole schlagartig. Ein erst 20-jähriger Attentäter, getrieben von seiner widerlich radikal-islamistischen Ideologie und der zutiefst zerstörerischen Gedankenwelt des sogenannten Islamischen Staats, eröffnete das Feuer auf wehrlose Passanten und unschuldige Lokalgäste. Bewaffnet mit einem Sturmgewehr, einer Pistole und einer Machete, zog er rücksichtslos durch die engen Straßen und hinterließ in der so wunderschönen historischen Kulisse eine Spur des Entsetzens, eine blutige Spur seines Hasses. Vier wertvolle Menschenleben wurden an diesem Abend urplötzlich ausgelöscht, eine junge deutsche Studentin, ein junger Mann nordmazedonischer Herkunft, ein Familienvater und ein engagierter Gastronom. Sie alle wurden mitten aus dem Leben gerissen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort verweilten. Mehr als zwanzig weitere Personen erlitten teils heftige, sehr schwere Verletzungen, während unzählige verängstigte Augenzeugen tief traumatisiert zurückblieben. Nach nur neun Minuten endete der Amoklauf durch das schnelle Eingreifen von Beamten der Sondereinheit WEGA, die den Täter stellten und völlig berechtigt erschossen. Doch die seelischen Wunden, die diese wenigen Minuten schlugen, sitzen bis heute tief. Der Anschlag traf Wien mitten ins Herz, eine Stadt, die bis dahin als eine der sichersten Metropolen der Welt galt und sich oft in einer vermeintlichen Isolation vom globalen Terrorismus wähnte. Plötzlich war die weltweite Bedrohung des religiösen Fanatismus bittere Realität auf den eigenen Pflastersteinen geworden. Was jedoch bleibt, ist nicht nur die tiefe Trauer um die Opfer, sondern auch eine bleibende Lehre. Die juristische Aufarbeitung im großen Wiener Terrorprozess brachte den Hinterbliebenen später zumindest ein wichtiges Stück Gerechtigkeit. Viel prägender für das kollektive Gedächtnis war jedoch die besonnene Reaktion der Bevölkerung, sie rückte die Stadt in der Krise eng zusammen. Das Attentat führte schmerzhaft vor Augen, wie verletzlich eine zu offene und blinde Gesellschaft ist und wie wichtig es bleibt, die gemeinsamen Werte und Zusammenhalt gerade gegen diesen religiösen Fanatismus unermüdlich zu verteidigen.
Wir sind auch heute noch in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen!

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