Posts mit dem Label GSG9 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label GSG9 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 13. Oktober 2026

Wusstest du das? 13.10.1977


Liebe Leser,

wusstet ihr das? Der 13. Oktober 1977 war ein strahlender Herbsttag über dem Mittelmeer. An Bord der Lufthansa-Maschine LH 181, einer Boeing 737 mit dem sehr schönen Taufnamen „Landshut“, herrscht verdiente, ausgelassene Urlaubsstimmung. Die 86 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder befinden sich auf dem Rückweg von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main. Zu diesem Zeitpunkt ahnen diese nicht, dass sie in wenigen Minuten in das Epizentrum eines der dramatischsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte geraten werden. Sie ahnen nicht, dass dieser Flug nicht Stunden, sondern quälende Tage dauern wird, und dass ihr Schicksal die Bundesrepublik Deutschland in den Grundfesten erschüttern wird.

Plötzlich zerbricht die Routine des Linienfluges. Vier blutrünstige palästinensische Terroristen des Kommandos „Martyr Halimeh“, angeführt von dem radikal skrupellosen Zohair Youssef Akache, der sich selbst „Kapitän Mahmud“ nennt, bringen das Flugzeug in ihre Gewalt. Sie handeln im Auftrag der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), genau deren geistige und reale Erben heute mit der Linkspartei Wahlparties feiern, doch ihre Aktion ist eng abgestimmt mit der deutschen Rote Armee Fraktion (RAF). Es ist der Höhepunkt des sogenannten „Deutschen Herbstes“. Die Forderung ist ultimativ: Die Freilassung von elf in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen, darunter Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe, sowie zweier palästinensischer Gesinnungsgenossen in der Türkei, untermauert mit der Drohung, alle Geiseln zu exekutieren und ein Lösegeld von 15 Millionen US-Dollar zu erpressen. Das Martyrium in der fliegenden Hölle beginnt in diesem Augenblick! Für die Geiseln beginnt eine Odyssee des Grauens durch den Nahen Osten und Ostafrika. Über Rom, Larnaka, Bahrain und Dubai wird die Maschine gepeitscht, überall verweigern die Regierungen die Landeerlaubnis oder versuchen das Flugzeug zu blockieren. In Dubai gelingt es dem Piloten Jürgen Schumann, einem Deutschen Helden, wichtige Informationen über die Anzahl der Entführer nach außen zu schmuggeln. Als „Kapitän Mahmud“ davon erfährt, droht er, den Piloten sofort zu erschießen. Die psychische und physische Folter an Bord ist unbeschreiblich: Die Passagiere müssen stundenlang mit erhobenen Händen auf ihren Plätzen verharren, die Klimaanlage fällt aus, die Temperaturen in der Kabine steigen auf über 50 Grad Celsius, die hygienischen Zustände werden unerträglich, und immer wieder spielen die Terroristen russisches Roulette mit den völlig verängstigten Menschen. Ein bis heute wiederkehrendes Muster des islamistischen Terrors. Am 16. Oktober erzwingt Mahmud die Landung im südjemenitischen Aden. Da die Startbahn blockiert ist, muss Schumann die Maschine auf einem Sandstreifen neben der Piste aufsetzen. Dem Piloten wird erlaubt, das Flugzeug zu verlassen, um das Fahrwerk auf Schäden zu überprüfen. Er nutzt die Gelegenheit, um mit den lokalen Behörden zu sprechen und abzuwägen, ob eine Flucht oder Rettung möglich ist. Als er in die Maschine zurückkehrt, ist der Anführer des Terrorkommandos außer sich vor Wut. Im Mittelgang der „Landshut“, vor den Augen der entsetzten Passagiere, muss Jürgen Schumann niederknien. Ein Schuss bricht. Der Kapitän wird kaltblütig per Kopfschuss hingerichtet. Er wird zum tragischen Opfer dieses gnadenlosen Terrors, aber auch zum unvergessenen Helden, der bis zur letzten Sekunde versucht hatte, das Leben seiner Passagiere zu schützen. Nie dürfen wir Jürgen Schuhmann vergessen!

Mit der Leiche des Kapitäns an Bord fliegt der Copilot Jürgen Vietor die Maschine unter Todesdrohungen weiter nach Mogadischu, der Hauptstadt von Somalia. Dort landet die „Landshut“ am 17. Oktober. Die Terroristen stellen ein letztes Ultimatum. Sie überschütten die Passagiere mit hochprozentigem Alkohol, um sie bei einer eventuellen Sprengung des Flugzeugs lebendig zu verbrennen. Was für ein Abschaum von Mensch muss man für solch ein Handeln nur sein ... Die Uhren ticken unaufhaltsam dem Tod von 86 unschuldigen Menschen entgegen.

Die Stunde für die Helden von Mogadischu: Die Operation „Feuerzauber“

In Bonn weigert sich die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt, den Forderungen des Terrors nachzugeben. Schmidt weiß, dass das Nachgeben den Rechtsstaat dauerhaft erpressbar machen würde. Es ist eine Entscheidung von historischer Tragweite, getragen von einer unerträglichen moralischen Last. Schmidt schickt die noch junge, hochspezialisierte Antiterroreinheit GSG 9 der damaligen Bundesgrenzschutzbehörde unter der Leitung ihres Gründers Ulrich Wegener der entführten Maschine hinterher. In der Nacht zum 18. Oktober 1977 um genau 00:05 Uhr MEZ schlägt die Stunde der Befreiung. Unter dem Codenamen Operation „Feuerzauber“ schleichen sich die Männer der GSG 9 im Windschatten der Dunkelheit an die Boeing 737 heran. Somalische Soldaten haben zuvor ein Ablenkungsfeuer entfacht, um die Aufmerksamkeit der Terroristen in das Cockpit zu lenken. Über die Notausstiege und Tragflächen dringen die deutschen Elitesoldaten mit Sturmleitern in die Maschine ein.„Köpfe runter! Wo sind die Schweine?“, hallt es durch die Kabine. Binnen weniger Minuten entbrennt ein kurzes, aber extrem heftiges Feuergefecht im engen Mittelgang. Ulrich Wegener und seine Männer agieren mit chirurgischer Präzision. Drei der Terroristen, darunter der Anführer Mahmud, werden getötet, die vierte Terroristin, Souhaila Andrawes, wird schwer verletzt übermältigt. Das Wunder von Mogadischu ist vollbracht: Alle verbliebenen 86 Geiseln werden lebend befreit. Nur vier Passagiere und ein GSG-9-Mann werden leicht verletzt. Die Erleichterung in Deutschland und der westlichen Welt ist grenzenlos. Ulrich Wegener und seine Einheit werden über Nacht zu Legenden, Symbolen für die Wehrhaftigkeit einer Demokratie, die sich nicht von solchem Abschaum in die Knie zwingen lässt. Die Befreiung der „Landshut“ war ein fundamentaler Wendepunkt für die Bundesrepublik Deutschland. Nur wenige Stunden nach dem Erfolg von Mogadischu nahmen sich die inhaftierten RAF-Anführer Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in der sogenannten Todesnacht von Stammheim das Leben. Als Racheakt ermordete das RAF-Kommando „Siegfried Hausner“ den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, dessen Leiche am 19. Oktober im Kofferraum eines Autos im elsässischen Mülhausen gefunden wurde. Der Staat hatte bewiesen, dass er sich nicht erpressen lässt, selbst um den Preis von Menschenleben. Dies brach den Mythos der angeblichen Unbesiegbarkeit der RAF. Strukturell führte der Deutsche Herbst zu einer massiven Aufrüstung des Sicherheitsapparates, verschärften Gesetzen (wie dem Kontaktsperregesetz) und einer Internationalisierung der Terrorismusbekämpfung. Die GSG 9 etablierte sich weltweit als Vorbild für polizeiliche Spezialeinheiten. Wer jedoch glaubte, mit dem Ende der „Landshut“-Entführung und der Selbstauflösung der RAF im Jahr 1998 sei die Gefahr des Linksextremismus in Deutschland endgültig gebannt, der irrt fundamental. Die ideologischen Wurzeln und die Bereitschaft zur radikalen Gewalt ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte bis in die Gegenwart der Bundesrepublik.

Aus den Trümmern der alten Bewegungen haben sich neue, hochgradig militante Strukturen entwickelt. Die Festnahmen von ehemaligen Mitgliedern der sogenannten „dritten Generation“ der RAF, wie Daniela Klette im Jahr 2024 sowie die Fahndung nach Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, haben der deutschen Öffentlichkeit drastisch vor Augen geführt, dass die Geister der Vergangenheit nie ganz verschwunden waren. Jahrzehntelang lebten sie im Untergrund, finanzierten ihr Leben durch brutale Raubüberfälle und blieben Teil eines konspirativen Netzwerks, das bis heute von Teilen der linksradikalen Szene gedeckt und logistisch unterstützt wird. Gleichzeitig erleben wir heute eine neue, besorgniserregende Metamorphose des linksextremistischen Terrors. Gruppierungen wie die sogenannte „Hammerbande“ rund um Lina E. haben die Strategie gewechselt. Statt des Angriffs auf die Spitzen des Staates und der Wirtschaft konzentrieren sie sich auf den militanten Antifaschismus („Antifa“), bei dem vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner gezielt, brutal und mit akribischer Ausspähung zu Hause oder auf der Straße überfallen und schwerstens verletzt werden. Auch die Todefolgen werden ohne Skrupel in kauf genommen. Die Brutalität, mit der mit Hämmern, Eisenstangen und Chlor auf Menschen eingeschlagen wird, zeigt eine neue terroristische Dimension der Enthemmung. Die jeder klar denkende Mensch nur ablehnen kann. Auch die Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen, wie die Brandanschläge der „Vulkangruppe“ auf die Stromversorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide oder auf Bahnanlagen, verdeutlichen eine strategische Radikalisierung. Die Täter nehmen dabei bewusst in Kauf, dass Zehntausende unschuldige Bürger von der Energieversorgung abgeschnitten werden oder Züge entgleisen könnten. Die Parallelen zu 1977 sind unverkennbar: Es ist der Versuch, durch Angst, Chaos und Zerstörung den demokratischen Rechtsstaat zu destabilisieren, getrieben von einer ideologischen Verblendung, die das menschliche Leben und die körperliche Unversehrtheit dem eigenen Dogma unterordnet. Die terroristischen Ränder links wie rechts waren und sind hier eine lebensgefährliche Bedrohung von uns allen! Die ewige Mahnung der „Landshut“ bleit:

Die Entführung der „Landshut“ im Jahr 1977 bleibt ein ewiges Mahnmal. Sie erinnert uns an das unermessliche Leid der Opfer, an den unerschrockenen Mut von Kapitän Jürgen Schumann und an die Professionalität der Helden der GSG 9. Sie zeigt uns aber auch, dass die Verteidigung von Freiheit und Demokratie keine historische Aufgabe ist, die man einmalig abschließt. Der Terrorismus verändert seine Gesichter, seine Namen und seine Ziele, doch seine zerstörerische Absicht bleibt dieselbe. Ob 1977 in den glühend heißen Sandpisten von Mogadischu oder heute in den konspirativen Wohnungen radikalisierter Gewalttäter im städtischen Untergrund: Der Rechtsstaat muss wachsam, wehrhaft und entschlossen bleiben, um die Freiheit seiner Bürger gegen jede Form des Extremismus zu verteidigen.