Dienstag, 27. Oktober 2026

Wusstet ihr das? 27.10.1934


Liebe Leser,

ein Jahrhundert roter Terror, Millionen verhungerte Bauern und ein monumentaler Gewaltapparat. Wer die Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas von ihren blutigen Anfängen im Jahr 1934 bis zur totalitären Perfektion des 21. Jahrhunderts betrachtet, erkennt ein unbarmherziges Naturgesetz, kommunistische Regime können ihre Macht historisch und strukturell nur durch permanenten, systematischen Terror gegen die eigene Bevölkerung aufrechterhalten. Was die kommunistische Propaganda seit jeher als heroische „Befreiung der Massen“ tarnt, beginnend mit dem bis heute besungenen Gründungsmythos des „Langen Marsches“, entpuppt sich bei nüchterner und zynischer Betrachtung als eine beispiellose Chronik der organisierten Menschenverachtung. Ein mal gut angedachtes System, das auf einer utopischen Ideologie der absoluten Gleichheit fußt, muss in der realen Welt zwangsläufig jede Form von Individualität, Freiheit und Menschenwürde im Keim ersticken. Da die Realität sich weigert, den absurden Vorgaben der Partei-Doktrin zu gehorchen, wird nicht die gnadenlose Doktrin angepasst, sondern die Realität mittels nackter Gewalt zurechtgeprügelt. Der Zynismus dieser Herrschaftsform beginnt bereits an der Wurzel. Als sich im Oktober 1934 rund 90.000 kommunistische Kader und Kämpfer unter der Führung Mao Zedongs aus der Umklammerung der Nationalisten zurückzogen, war dies kein triumphaler Siegeszug, sondern eine überstürzte Flucht, eine nackte Verzweiflungstat, die durch katastrophales militärisches Versagen der Parteiführung überhaupt erst nötig geworden war. Dass auf diesem über 10.000 Kilometer langen Todesmarsch durch unwegsamstes Gelände schätzungsweise neunzig Prozent der Teilnehmer elendig an Hunger, Erschöpfung, Krankheiten oder im Kugelhagel starben, focht die verbliebene Führungsriege nicht im Geringsten an. Ganz im Gegenteil! Aus den Bergen von Leichen der eigenen Genossen zimmerte Mao Zedong das Fundament für seinen perversen, alles an Freiheit erstickenden, persönlichen Personenkult. Die Abertausenden einfachen Soldaten und Zivilisten, die als namenloses Kanonenfutter auf den Pässen Tibets und in den Sümpfen Sichuans brutal verreckten, wurden postum zu heroischen Märtyrern deklariert, deren einziges Lebensziel es angeblich war, als Dünger für den Aufstieg des „Großen Steuermanns“ zu dienen. Dieser fundamentale Mangel an Empathie für das menschliche Leben definierte den Modus Operandi für die kommenden Jahrzehnte. Für kommunistische Herrscher ist das Individuum nichts, die Partei alles! Die eigene Bevölkerung wird nicht als Gesamtheit von Bürgern mit Rechten begriffen, sondern als amorphe, formbare Masse, als statistisches Material, das im Dienste der utopisch irren Staatsidee beliebig verheizt werden darf. Ein geschichtlicher Ablauf den übrigens alle kommuistischen Regime teilen.

Nach der endgültigen Machtübernahme im Jahr 1949 und der Gründung der Volksrepublik China zeigte sich das wahre Gesicht des Terrors als primäres Instrument der Regierungsführung. Da ein kommunistisches System per Definition keinen legitimen politischen Wettbewerb, keine unabhängige Justiz und keine freie Meinungsäußerung dulden kann, muss jede potenzielle Abweichung von der Parteilinie als existenzielle Bedrohung eingestuft werden. Um die absolute Kontrolle zu behalten, erfanden Mao und seine Nachfolger eine perfide Dauerschleife aus künstlich inszenierten Krisen, Verfolgungswellen und Säuberungsaktionen. Ein besonders zynisches Meisterwerk dieser Herrschaftstechnik war die sogenannte „Hundert-Blumen-Bewegung“ im Jahr 1956. Unter dem scheinbar toleranten Motto „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ forderte die Parteiführung die Intellektuellen des Landes explizit dazu auf, konstruktive Kritik am Regime zu äußern. Doch kaum hatten die mutigsten Denker, Professoren und Künstler ihre Stimme erhoben und das Missmanagement der Bürokratie kritisiert, schnappte die Falle brutal zu. Die Partei nutzte die offenen Worte schlicht als vorgefertigte Todes- und Verhaftungslisten. In der darauffolgenden „Anti-Rechts-Kampagne“ wurden Hunderttausende Kritiker als „Volksfeinde“ stigmatisiert, in Arbeitslager (Laogai) gesperrt, gefoltert oder hingerichtet. Ein Muster das sich später auch in der Sowjetunion wiederholte. Der Terror dient hierbei nicht nur der physischen Vernichtung von realen Gegnern, sondern vor allem der psychologischen Lähmung der Überlebenden. Wer Zeuge wird, wie der eigene Nachbar, Kollege oder Vater für ein unbedachtes Wort im Straflager verschwindet, lernt schnell die Kunst der absoluten, vorauseilenden Gehorsamkeit. Das System zwingt die Menschen in die kollektive Heuchelei. Um zu überleben, muss man die Lügen des Regimes nicht nur lautstark nachbeten, sondern so tun, als würde man sie aus tiefstem Herzen glauben. Einige fühlen sich an die ehemalige DDR erinnert. Zurecht.

Der absolute Tiefpunkt dieser menschenverachtenden Systemlogik manifestierte sich im „Großen Sprung nach vorn“ (1958–1961). Geleitet von absurden ideologischen Fantasien und ökonomischem Analphabetismus befahl Mao die totale Kollektivierung der Landwirtschaft und die vermeintliche Industrialisierung der Hinterhöfe. Bauern mussten ihre Werkzeuge einschmelzen, um minderwertigen, völlig unbrauchbaren Stahl zu produzieren, während die Felder unbestellt blieben. Als die unausweichliche Hungersnot ausbrach, griffen die lokalen Parteikader zu einem brutalen Täuschungsmanöver, um ihre eigenen Haut und Karrieren zu retten: Sie fälschten die Erntestatistiken nach oben und meldeten phantastische Rekorderträge in die Zentrale nach Peking. Die Staatsführung wiederum exportierte daraufhin Getreide ins Ausland, um der Welt den Erfolg des Kommunismus zu demonstrieren, während im eigenen Land die Menschen Gras, Baumrinde und schließlich die Leichen ihrer eigenen Verwandten aßen. Wer auf die grassierende Hungersnot hinwies oder Getreide vor den Konfiszierungstrupps der Partei versteckte, wurde als „Saboteur“ oder „Klassenfeind“ auf der Stelle totgeprügelt. "Die Revolution frisst ihre Kinder". Mindestens 45 Millionen Menschen krepierten in diesem künstlich herbeigeführten Inferno, die größte durch Menschenhand verursachte Hungersnot der Weltgeschichte. Doch statt Reue oder Mitgefühl zu zeigen, verbuchte die Partei diese unfassbare Tragödie zynisch als notwendiges Opfer auf dem Altar des sozialistischen Fortschritts. Der Terror gegen die Bauernschaft war nie Betriebsunfall, bewusst und notwendig wurde dieses Werkzeug der Gewalt benutzt, um den totalen Gehorsam der ländlichen Bevölkerung zu erzwingen, selbst wenn dieser Gehorsam den kollektiven Hungertod bedeutete. Als Maos erzwungene Machtposition durch das offensichtliche Desaster des „Großen Sprungs“ intern ins Wanken geriet, entfesselte er kurzerhand das nächste Terrorregime: die „Große Proletarische Kulturrevolution“ (1966–1976). Diesmal hetzte die alternde Tyrannei die indoktrinierte Jugend des Landes, die berüchtigten Mörder der Roten Garden auf alles, was auch nur im Entferntesten nach Tradition, Kultur, Intellekt oder westlichem Einfluss roch. Schulen und Universitäten wurden geschlossen, Lehrer von ihren eigenen Schülern öffentlich gedemütigt, gefoltert und ermordet. Historische Tempel, unersetzliche Kunstschätze und jahrhundertealte Bibliotheken wurden in einem barbarischen Rausch der Zerstörung vernichtet. Der Zynismus erreichte hier eine neue Dimension der soziologischen Perversion. Das Regime übertrug die Ausübung des Terrors direkt auf die nächste Generation. Kinder denunzierten ihre Eltern, Ehepartner verrieten sich gegenseitig, um den eigenen Kopf zu retten. Eine Methode welche auch in der DDR Schule machen sollte. Durch die systematische Zerstörung jeglicher familiärer Loyalität und gesellschaftlicher Zwischenräume blieb den atomisierten Individuen nur noch eine einzige erlaubte Bezugsperson, der Staat und sein despotischer Führer. Die Kulturrevolution transformierte das gesamte Land in ein gigantisches Irrenhaus der kollektiven Paranoia, in dem niemand seines Lebens sicher war. Genau in diesem Zustand der permanenten Angst liegt das Geheimnis der kommunistischen Machtstabilisierung: Eine Bevölkerung, die in ständiger Todesangst vor dem eigenen Nachbarn oder dem eigenen Kind lebt, ist schlicht unfähig, sich zu organisieren, geschweige denn einen koordinierten Widerstand gegen die herrschende Elite zu formieren. Übrigens auch eine Methode die im Deutschen Nationalsozialismus ausgebaut wurde.

Auch nach Maos Tod und der wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping änderte sich an dieser eisernen Prämisse der Machtabsicherung nichts essentielles. Der Westen erlag lange Zeit dem naiven Glauben, dass wirtschaftlicher Kapitalismus automatisch zu politischer Freiheit führen würde, ein kapitaler und arroganter Denkfehler. Als im Frühjahr 1989 Hunderttausende Studenten und Bürger auf dem Tiananmen-Platz in Peking friedlich für Demokratie, Pressefreiheit und ein Ende der grassierenden Korruption demonstrierten, zeigte das Regime unmissverständlich, wo die roten Linien seiner Toleranz verlaufen. In der Nacht zum 4. Juni 1989 ließ die Führung der Kommunistischen Partei die eigene Armee mit Panzern und Sturmgewehren gegen die unbewaffneten Demonstranten vorrücken. Tausende junge Menschen wurden in den Straßen Pekings regelrecht zerfetzt, von Panzerketten überrollt und niedergemetzelt. Der Zynismus des Massakers von 1989 lag in seiner kalkulierten Kaltblütigkeit: Deng Xiaoping und seine Gefolgsleute wussten genau, dass ein kurzes, brutales Blutbad ausreichte, um der gesamten Nation für die nächsten Jahrzehnte jegliche Lust auf demokratische Experimente auszutreiben. Das Tiananmen-Massaker war die blutige Erinnerung an die Bevölkerung, dass der Staat im Zweifelsfall vor absolut keinem Verbrechen zurückschreckt, um sein Machtmonopol zu verteidigen. Die Botschaft war glasklar: Ihr dürft reich werden, ihr dürft konsumieren, aber wenn ihr eure Stimme gegen die Partei erhebt, sterbt ihr. Wer mehr darüber lesen will empfehle ich das Buch, Die Tiananmen-Akte von Zhang Liang (Autor), Andrew J. Nathan (Autor), Perry Link (Autor) / ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3549071342 , aber Vorsicht. Diese Aktendoku ist echt nicht für zarte Gemüter geeignet.

In der Gegenwart hat sich dieser Terror nicht etwa aufgelöst, sondern wurde im Zuge der digitalen Transformation lediglich auf ein neues, erschreckend effizientes Niveau gehoben. Unter der autokratischen Führung von Xi Jinping hat die KP Chinas den physischen Terror der Maoristen nahtlos in einen technologischen, digitalen Totalitarismus überführt. Mithilfe von lückenloser Gesichtserkennung, künstlicher Intelligenz, totaler Internetzensur und dem berüchtigten „Social Credit System“ (Sozialkreditsystem) wird die gesamte Bevölkerung rund um die Uhr überwacht. Wer es dennoch wagt, online auch nur die leiseste Kritik am Herrschaftsapparat zu äußern, findet sich am nächsten Tag ohne Job, ohne Reisepass und ohne Zugang zum öffentlichen Nahverkehr wieder, eine digitale Exkommunikation aus der Gesellschaft, die einer sozialen Hinrichtung gleichkommt. Der Zynismus dieses modernen Überwachungsstaates gipfelt in der systematischen Verfolgung und kulturellen Auslöschung ethnischer Minderheiten wie den Uiguren in Xinjiang. In riesigen, hochmodernen Internierungslagern, die von der Regierung zynisch als „Berufsbildungszentren“ deklariert werden, sind über eine Million Menschen eingesperrt, um einer brutalen Gehirnwäsche, Zwangsarbeit und Zwangssterilisation unterzogen zu werden. Das Ziel ist die totale Auslöschung jeglicher kultureller und religiöser Identität, die nicht mit der totalitären Staatsideologie harmoniert.

Zusammenfassend muss ich feststellen, Kommunistische Regime können gar nicht anders, als ihre Herrschaft auf Terror aufzubauen und aufrechtzuerhalten, weil ihre gesamte Existenz auf einer permanenten Kriegserklärung an die menschliche Natur basiert. Da der Mensch von Natur aus nach individueller Freiheit, persönlichem Eigentum, freier Meinungsäußerung und dem Recht auf Selbstbestimmung strebt, kollidiert seine Existenz unweigerlich mit dem absolutistischen Kollektivanspruch solch einer totalitären Partei. Ein System, das den Anspruch erhebt, jeden Aspekt des menschlichen Lebens von der Wirtschaft über die Kultur bis hin zu den privatesten Gedanken, lückenlos zu kontrollieren und zu steuern, besitzt keine andere Währung als die nackte Angst. Sobald der Terrorapparat auch nur für einen Moment nachlässt, bricht das Kartenhaus der ideologischen Lügen in sich zusammen, wie der Kollaps der Sowjetunion eindrucksvoll bewiesen hat. Aus dieser historischen Lektion hat die KP Chinas gelernt. Der Terror darf niemals enden. Er wandelt lediglich seine Gestalt, vom brutalen, fanatischen und blutigen Bajonett des Langen Marsches über die Hungersnöte Maos und die Panzer von 1989 bis hin zum heutigen digitalen Algorithmus. Am Ende bleibt die bittere, zynische Wahrheit! Kommunistische Herrscher lieben nicht das Volk, das sie vorgeben zu vertreten, sie lieben nur die absolute, unkontrollierte Macht über das Volk und sie sind bereit, dafür jeden erdenklichen Preis in Form von Menschenleben und menschlichem Leid zu zahlen. Niemals dürfen wir uns diesem Terror unterwerfen!

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