Donnerstag, 22. Oktober 2026

Wusstet ihr das? 22.10.1083


Liebe Leser,

wusstet ihr das? Es war der 22.10.1983 ... der lichte, aber bereits spürbar abkühlende Herbst des schicksalhaften Jahres 1983, mein Geburtsjahr, als der eisige Pulverdampf des Kalten Krieges bedrohlich schwer über dem tief geteilten Deutschland lag. Die gesamte Welt hielt in ungehaltener und kollektiver Starre den Atem an. Zwischen den beiden unerbittlichen nuklearen Großmächten drohte das finale, alles vernichtende atomare Inferno auszubrechen. Ausgerechnet auf unserem deutschem Heimatboden sollten nun im Zuge des umstrittenen NATO-Doppelbeschlusses neuartige, unvorstellbar todbringende Mittelstreckenraketen stationiert werden. Es war eine Epoche der Angst, in der die Menschheit seit dem  am Abgrund ihrer eigenen Zerstörung taumelte. Doch genau in dieser dunkelsten Stunde der Ohnmacht und der existenziellen Bedrohung erwachte er, ein gigantischer, friedlicher Riese aus seinem langen Schlummer: die westdeutsche Friedensbewegung. Es schlug die historische Geburtsstunde zahlloser Alltagshelden, die voller Mut beschlossen, der drohenden Apokalypse nicht länger schweigend zuzusehen. Und viele sind noch heute Teil der Bewegung.

Über eine Million aufrechte Menschen strömten damals wie unaufhaltsame Ströme der puren Hoffnung auf die staubigen Straßen. In den gigantischen Metropolen Hamburg, West-Berlin und der damaligen und hoffentlich bald wieder aktuellen Bundeshauptstadt Bonn erhoben sie voller Inbrunst unisono ihre kraftvollen Stimmen. Es war ein beispielloses, wahrhaft episches Aufbegehren der Zivilgesellschaft gegen die Logik des Krieges – ein Heißer Herbst, der die scheinbar unumstößlichen Fundamente der politischen Macht erzittern ließ. Doch das absolut größte, fast schon mythische Monument dieses heroischen Widerstands manifestierte sich im malerischen Süden des Landes, wo lebendige Geschichte geschrieben werden sollte. Eine schier endlose, unzerbrechlich stolzen Menschenkette spannte sich stolz über eine gigantische Distanz von exakt 108 Kilometern von Stuttgart bis nach Neu-Ulm. Wie gern wäre ich dabei gewesen.

In dieser Kette standen sie alle Schulter an Schulter: Mütter mit ihren Kindern, Arbeiter, Studenten und  Großeltern. Jene die gezeichnet vom Weltkrieg die Schrecken noch in Echtzeit kannten. Jeder Einzelne von ihnen mutierte in diesem geschichtsträchtigen Moment zu einem unbesungenen Helden des Friedens und der Menschlichkeit. Sie hielten sich fest an den Händen, gefestigt von dem Gedanken, diese Kette der Solidarität niemals abreißen zu lassen. Ihr warmer Atem trotzte der bissigen Kälte des herbstlichen Wetters und der Logik der militärischen Abschreckung. Wo mächtige Generäle in sterilen Bunkern den Untergang planten, setzten diese mutigen Bürger ein unerschütterliches Zeichen der Liebe! Es war der strahlende Höhepunkt einer Bewegung, die der Welt bewies, dass die stärkste Kraft auf Erden nicht in den zerstörerischen Sprengköpfen der Raketen liegt, sondern im unbändigen, gemeinsamen Willen der Menschen, die für eine Welt ohne atomare Bedrohung einstehen. Sie formten einen lebendigen Schutzwall gegen den drohenden Krieg, ein unvergessliches Symbol der Hoffnung, das bis heute als leuchtendes Beispiel für Zivilcourage und den unerschütterlichen Glauben an eine friedliche Zukunft der Menschheit fortlebt und bis in alle Ewigkeiten nachhallt. Diese Menschen bleiben unvergessen!

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