Dienstag, 22. September 2026

Wusstest du ... 22. September 1980

 

... am 22. September 1980, mit dem Einmarsch irakischer Truppen in das iranische Staatsgebiet
einer der längsten und verlustreichsten "konventionellen" (Lange vor Drohnenkriegen) Konflikte des 20. Jahrhunderts: der Erste Golfkrieg (auch bekannt als Iran-Irak-Krieg) begann? Es ging recht unspektakulär mit Grenzzwischenfällen an der strategisch wichtigen Wasserstraße des "Schatt al-Arab" los und eskalierte rasant zu einem brutalen Krieg. Der irakische Machthaber Saddam Hussein nutzte das vermeintliche Machtvakuum, das nach der "Islamischen Revolution" (Auch ein spannendes Thema) von ca. 1979 im Iran entstanden war. Sein Ziel war es, die regionale Vormachtstellung zu erzwingen
und die Ausbreitung der islamischen Revolution auf die schiitische Mehrheit im Irak zu verhindern. Der
Konflikt, der von beiden Seiten äußerst brutal geführt wurde, dauerte acht Jahre und endete erst
1988 mit einem UN-vermittelten Waffenstillstand (Mit Anna Lena heute undenkbar :-) ), ohne dass eine der Parteien nennenswerte territoriale Gewinne verbuchen konnte.
Obwohl der Krieg vordergründig ein regionaler Konflikt zwischen zwei Nachbarstaaten war, hatte er
massive Auswirkungen auf das globale Mächtegleichgewicht des Kalten Krieges. Nahezu die gesamte
Weltgemeinschaft stellte sich im Laufe direkt oder indirekt gegen die noch junge Islamische Republik Iran. Die westlichen Großmächte, allen voran die USA und westeuropäische Staaten wie Frankreich und
Deutschland, unterstützten den Irak mit Geheimdienstinformationen, wirtschaftlichen Krediten und
Rüstungsgütern. Gleichzeitig stand auch die Sowjetunion als Hauptwaffenlieferant an der Seite Bagdads. Diese paradoxe Allianz der Supermächte verdeutlichte die tiefe Angst der Weltgemeinschaft vor einer fundamentalistischen und extremistischen Neuordnung des Nahen Ostens. Der Krieg führte dann aber schnell zu einer Zementierung geopolitischer Fronten, die bis heute nachwirken, insbesondere in der tiefen Feindseligkeit zwischen Washington und Teheran, die durch Vorfälle wie die "Iran-Contra-Affäre" oder den Abschuss eines iranischen Passagierflugzeugs (Iran-Air-Flug 655) durch ein US-Kriegsschiff im Jahr 1988 verschärft wurde. Ein bis heute nicht weitreichend geläutertes Kriegsverbrechen! 
Da die Region um den Persischen Golf bis heute ein der Hauptschlagadern der globalen Energieversorgung darstellt, hatte der Krieg unmittelbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Denn verwirrt wie eh und je weiteten beide Kriegsparteien ab Mitte 1984 den Konflikt auf Handelsschiffe aus und die schreckliche erste Phase des sogenannten 'Tankerkrieges' begann. Über 500 zivile
Schiffe wurden angegriffen, was die internationale Seeschifffahrt gefährdete und die Ölpreise zeitweise in die Höhe trieb. Für viele kommt da heute ein Déjà-vu oder ? Um den Energiefluss für die Industrienationen zu sichern, intervenierten internationale Seestreitkräfte, indem sie kuwaitische Öltanker unter US-Flagge stellten und eskortierten, die berüchtigte "Operation Earnest Will". Diese direkte Militärpräsenz der USA am Golf legte den Grundstein für die dauerhafte Stationierung westlicher Truppen in der Region. Bis heute ....
Militärhistorisch erinnerte der Erste Golfkrieg in fataler Weise an die Materialschlachten des Ersten
Weltkriegs. Er war geprägt von monatelangem Stellungskrieg, Schützengräben, dem Einsatz von
'menschlichen Wellen' durch den Iran (oft unter Einsatz indoktrinierter Kindersoldaten) und dem
systematischen Einsatz von chemischen Waffen durch den Irak. Die Weltgemeinschaft sah weitgehend
weg, als Saddam Hussein Giftgas nicht nur gegen iranische Truppen, sondern im März 1988 auch gegen
die eigene kurdische Zivilbevölkerung in Halabja einsetzte. Das Ausbleiben einer harten internationalen
Verurteilung dieses Völkerrechtsbruchs schwächte das globale Tabu gegen Massenvernichtungswaffen
nachhaltig.
Das herbeigesehnte Ende des Krieges im August 1988 hinterließ zwei wirtschaftlich und demografisch ruinierte Staaten. Und eine sich schämende Weltbevölkerung...
Schätzungen zufolge forderte der Konflikt über eine Million Menschenleben. Der Irak war hoch
verschuldet, insbesondere bei den arabischen Golfstaaten wie Kuwait und Saudi-Arabien. Um sich
finanziell zu sanieren und seine exorbitanten Militärausgaben zu kompensieren, forderte Saddam Hussein eine Senkung der Ölfördermengen zur Preissteigerung und den Erlass seiner Schulden. 
Als Kuwait wütend ablehnte, marschierte der Irak im August 1990 dort ein. Dieser Schritt führte direkt zum so genannten Zweiten Golfkrieg (1990/1991) unter Führung einer US-geleiteten Koalition. Somit war der Erste Golfkrieg der direkte Katalysator für die jahrzehntelange chronische Instabilität und die darauffolgenden Kriege im Nahen Osten. Ich habe ja schon öfter darüber geschrieben, dieser 2. Golfkrieg war der erste den ich als Kind bewusst erlebte. Ich weiß noch wie wir uns zusammen setzten und für die "Amerikaner" beteten. Heute irgendwie surreal aber als Kinder war uns da irgendwie natürlich wichtig. Bis heute seltsam.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Erste Golfkrieg weit mehr als ein regionaler Grenzkonflikt
war. Er veränderte um viele Punkte die globale Energiepolitik, etablierte die USA als dauerhafte Besatzungsmacht im "Nahen Osten" und schuf die Voraussetzungen für den Aufstieg des islamischen Fundamentalismus, des globalen Terrorismus. Die tektonischen Verschiebungen, die durch die acht Jahre des Stillstands und des Blutzolls ausgelöst wurden, prägen die Geopolitik des 21. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag.

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